Jahrgang 
1 (1851)
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Er riß ſeinen Degen aus der Scheide, ehe Iwan ihn zurückhalten konnte. Auch war es zu ſpät. Der Wagen und die Eskorte waren in dieſem Augenblicke dicht bei der Stelle des Gebüſches angekommen, die das Piquet verbarg. Die beiden Wagen waren jetzt faſt in gerader Linie mit Iwan, Matthias und dem komman⸗ direnden Offizier.

Plötzlich entdeckte einer von den Dragonern das funkelnde Bajonett eines Infanteriſten. Er ſtutzte und hielt ſein Pferd an. Aber in dem⸗ ſelben Augenblicke rief der Offizier: Vorwärts! Legt an!

Die Soldaten ſprangen vor. Zweihundert Flintenläufe waren auf die Dragoner gerichtet, die überraſcht ihre Pferde anhielten. Die Pferde bäumten ſich und drängten ſich an einander.

Was iſt das? rief ein Offizier. Mit wem haben wir es hier zu thun? Iſt das Ernſt oder Scherz?

Bitterer Ernſt! rief der Kommandeur des Piquets. Im Namen der vereinigten Trup⸗ pen des Südens(ſo nannten ſich die Inſurgen- aus dem Innern des Wagens.

Wir ſind die Kämpfer für die Freiheit und

ten) legt die Waffen nieder! Hal haben wir es mit den Rebellen zu Unabhängigkeit Rußlands! antwortete der Offi⸗

thun? rief der Dragoneroffizier. Niemals! Ka⸗ zier. Sie können ſich unbedingt unſerem Schutze rabiner los! Zurück! anvertrauen. Wir kennen den Anſtand und die Auch dieſes Manöver, durch welches die Sitte ſo gut, wie Ihre früheren Begleiter. Dragoner ſich aus der unmittelbaren und ſiche: Doch möchte ich Sie bitten, Excellenz, auszu⸗ ren Tod bringenden Nähe des Piquets entfernen ſteigen und meinen Arm zu nehmen. Die Fahrt wollte, mißglückte. durch das Gehölz nach dem Hauptquartier wäre Schont die Dragoner nicht! rief der zu beſchwerlich für Sie. Es iſt nur ein Weg Kommandeur. Es ſind unſere Feinde. Aber von zehn Minuten.. keinen Schuß auf den Wagen! Die Kammerfrau der Generalin ſtieg zuerſt Eine furchtbare Salve dröhnte gegen die aus. Sie zitterte vor Angſt. Dann erſchien Dragoner. Die Mehrzahl derſelben ſtürzte, denn auch Sophie, die Gemahlin Kiſſelew's, auf dem faſt jeder Schuß hatte getroffen. Auch die Pferde Tritt der Kutſche. Matthias war todtenbleich waren zum Theil verwundet, überſchlugen ſich geworden. Wie leblos ſtarrte er die Generalin oder riſſen ihre Reiter mit ſich fort. An Wider⸗ an, deren Antlitz, obſchon es ſehr gealtert hatte, ſtand war nicht mehr zu denken. Mehrere Dra⸗ noch immer ſchön und edel war. goner ſprangen von den Pferden und ſtreckten Es zeigte ſich keine Furcht auf dem Geſichte die Waffen. Einige von ihnen jedoch, und un- der Generalin. Ruhig ſtieg ſie aus und wollte ter ihnen der Offtzier, drückten ihren Roſſen die den Arm des Offiziers nehmen, während ſie Sporen in die Seiten und galloppirten mit ver⸗ einen Blick auf ihre Umgebung warf. Matthias hängtem Zügel den Weg zurück, den ſie gekom- und Iwan waren die Erſten, die ihr in die men waren. Einige Schüſſe wurden ihnen nach⸗ Augen fielen. geſchickt, indeſſen ohne zu treffen. Matthias!

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Matthias, deſſen Geſicht glühte, Iwan und der kommandirende Offizier eilten jetzt an den vorderen Wagen. Als die Salve donnerte, hat⸗ ten ſie einen hellen, durchdringenden Schrei aus demſelben erſchallen hören; dann aber war Alles ruhig geworden und kein Antlitz zeigte ſich an den Wagenfenſtern. Der Offizier trat an den Kutſchenſchlag und öffnete ſelbſt die Thür.

Habe ich die Chre, fragte er höflich, Ihre Excellenz, die Gemahlin des kommandi⸗ renden Generals der Südarmee vor mir zu ſehen?

Ich bin die Gemahlin des Generals Kiſſelew, antwortete eine weibliche Stimme aus dem Wagen, bei deren Klange Matthias zu⸗ ſammenzuckte.

Ich muß Sie erſuchen, Excellenz, uns zu folgen, ſagte der Offizier. Ich bürge Ihnen dafür, daß Ihnen nicht das geringſte Böſe ge⸗ ſchehen wird. Aber wir bedürfen Ihrer Gegen⸗ wart zu unſerer eigenen Sicherheit.

Und wer ſind Sie? fragte die Stimme

ſchrie ſie laut auf und ſank