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den Freunden über die Befeſtigung des Schloſ⸗ ſes. Aber weder Iwan noch Matthias hatten Ohren für ihn. Er trennte ſich bald wieder von ihnen.
Arm in Arm gingen Iwan und Matthias weiter, während die Sonne tiefer und tiefer ſank. Iwan erzählte ſeinem Freunde das Schick⸗ ſal Olga's, wie er es aus dem Munde Natal⸗ ja's erfahren hatte. Sie waren während deſſen bis an die Grenze der Vorpoſten gekommen, und ein einzelnſtehendes Piquet, das den Auftrag hatte, eine Landſtraße, die nach dem Norden führte, zu bewachen, erinnerte ſie daran, daß ſie ſich weit vom Schloſſe entfernt hatten und daß es Zeit ſei, umzukehren.
Das Piquet, aus einer Kompagnie Infan⸗ terie beſtehend, hatte ſich im Gebüſch gelagert. Man konnte von dieſem Punkte aus das Schloß nicht ſehen, weil der Park auf dieſer Seite lag. Auch drang das Getümmel des Lagers nicht bis hierher. Niemand der von dieſer Seite kam, konnte ahnen, was auf dem Schloſſe vorgefallen war. Auch das Piquet wußte den Hergang nicht genau und Matthias erzählte dem kom⸗ mandirenden Offizier den Verlauf des Sturmes und der Einnahme des Schloſſes.
Die Sonne hatte jetzt bald die Spitze des fernen Waldes erreicht. Matthias wollte ab⸗ brechen und umkehren, als man plötzlich Pferde⸗ getrappel und das Rollen eines Wagens hörte. Auch verkündeten die Vorpoſten, daß Etwas im Anzuge ſei. Die Soldaten ſprangen auf, mach⸗ ten ſich ſchußfertig und traten in die Nähe der Landſtraße. Man konnte vom Gebüſch aus einen Theil derſelben überſchauen. Iwan und Mat⸗ thias beſchloſſen zu bleiben, bis man die Urſache des Geräuſches erfahren.
Sie ſtanden neben dem kommandirenden Of⸗ fizier und ſahen, durch das Gebüſch verborgen, nach der Richtung, aus der das Wagenrollen und Pferdegetrappel herübertönte. Die einzel⸗ nen Vorpoſten zogen ſich vorſichtig auf das Pi⸗ quet zurück.
Plötzlich tauchten einige Reiter aus dem Ge⸗ büſch hervor. Es waren Gardedragoner. Eine kleine Abtheilung derſelben Waffengattung folgte ihnen. Dann kamen zwei Wagen, denen wieder
eine Abtheilung Dragoner folgte. Man konnte den Zug deutlich überſchauen, denn die Land⸗ ſtraße war frei, bis zu dem Gebüſche, in dem
das Piquet ſchlagfertig ſtand.
— Ah, rief der Offizier plötzlich, ſo wahr
ich lebe, die Equipage kenne ich. Das iſt Ge neral Kiſſelew. Wetter, da können wir einen prächtigen Fang machen!
— Kiſſelew! flüſterte Matthias und drückte Iwans Hand. Kiſſelew— es iſt ihr Mann!
— Nein, flüſterte ein Fähndrich, es iſt nicht der General ſelbſt, er folgt vielleicht. Es iſt ſeine Gemahlin. Ich kenne die Cquipage vom ſüdlichen Hauptquartier her ganz genau!
— Schadet nicht! rief der Offizier. Wir nehmen ſie als Geißel. Kiſſelew wird ſchöne Augen machen, wenn er ſeine Gemahlin in un ſeren Händen findet. Es iſt prächtig!
— Sophie! flüſterte Matthias zu Iwan,. Wenn es Sophie wäre! O, Iwan, ſoll ich blei ben? ſoll ich forteilen? Was ſoll ich thun? Mein Blut wallt und mein Herz ſchlägt zum Zerſpringen!
Matthias ſtützte ſich auf ſeinen Freund. Iwan wußte ſelbſt nicht, was er rathen ſolle. Lebhaft ſtand die Scene in Sophiofka noch vor ſeinen Augen. Er erſchrak faſt über dieſes plötz⸗ liche und ſonderbare Zuſammentreffen.
Aber Matthias hatte ſich erholt. Er ſahr ſeinen Freund mit ſeltſam funkelnden Augen an und preßte den Arm deſſelben, als wolle er ihn zermalmen.
— Jwanl!l rief er. Das iſt ein Wink des Schickſals! Ich bin vor ihr geflohen, ich habe ſie nie wiederſehen wollen. Ich ſoll ſie finden, das Schickſal will es ſo. Iwan, wenn ich den Augenblick benutzte!? Die Stunde der Rache und Vergeltung hat für Alle geſchlagen, auch für mich. Warun ſoll ich mich nicht rächen? Warum ſoll ich mir nicht ein Weib erobern, das mir gehört? Ja, Sophie ſoll mein werden, und nicht wie in Sophiofka, ſoll Kiſſelew die Beute einem Kranken und Schwachen entreißen. Ueber einen Haufen von Leichen ſoll er ſchreiten, ehe er mir die Geliebte entreißt. Ja, ich wage es! Auf Jahre von Leiden und Qual ſoll die Stunde der Rache und des Glückes folgen!
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