Jahrgang 
1 (1851)
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vann, wird ſich bald entſcheiden. Sobald ich mich meiner Pflicht entziehen kann, geliebte Mut⸗ ter, wollen wir nach Sophiofka eilen. Ja, es iſt möglich, daß wir dort diejenigen finden, die wir hier vergebens geſucht haben.

Du willſt alſo an dem Kampfe noch Theil nehmen? fragte die Matrone ſchüchtern und vorwurfsvoll.

Ja, meine liebe Mutter, gewiß! rief Jwan. Mein Arm gehört der Sache der Frei⸗

heit! Ehe ſie nicht geſiegt hat oder unterlegen

iſt, darf ich mich nicht von meinen Freunden trennen. Wir ſind eng verbunden durch unſere Schickſale. Meine Pflicht muß ich thun.

Die Matrone ſchwieg und verſuchte ihre ſanft rinnenden Thränen zu ſtillen.

Dir aber, Natalja! ſagte Iwan mit Wärme und Innigkeit, Dir danke ich für Alles, was Du an Olga und meinem Vater gethan! Nie werde ich es vergeſſen. Dein Bild ſoll ſtets neben dem meiner Geliebten, meiner theu⸗ ren Eltern ſtehen. Wenn wir vereinigt ſind, darfſt Du in unſerem Bunde nicht fehlen. Wenn wir noch glücklich werden, ſo danken wir Dir unſer Glück!

Natalja ſchüttelte traurig den Kopf und ſah den jungen Mann mit einem Blicke tiefer In⸗ nigkeit und Liebe an.

Was ich gethan habe, habe ich gern und für Dich gethan! ſagte ſie leiſe. Und Du weißt, daß ich von jeher gern Alles für Dich gethan habe.

Iwan begriff den Schmerz des Mädchens. Er wußte, daß Natalja ihn liebte, daß ſie aber ihre Liebe geopfert habe zu Gunſten eines We⸗ ſens, das ihr des Geliebten würdiger ſchien. Er erkannte dieſen Edelmuth, der nur ſehr ho⸗ hen und edlen oder ſehr reinen und natürlichen Seelen eigen iſt. Er dachte in dieſem Augen⸗ blick auch an Emma Raminsky! Welche Aehn⸗ lichkeit zwiſchen dieſen beiden Frauen, die Iwan liebten und ihm doch entſagten, weil ſie ſich ſei ner nicht würdig hielten. Und doch welcher Gegenſatz zwiſchen den Gründen, aus denen ſie handelten!

Es that dem Jüngling noth, die Gedanken, die ihn traurig fämden A welſchruchen. Er

ker und kälter geworden.

bat ſeine Mutter und Natalja, nach dem Schloſſe zu gehen und ſich dort einzurichten, bis das Truppenkorps wieder abziehen wurde. Er ſelbſt ſuchte ſeinen Freund Matthias auf und ging mit ihm langſam durch die Reihen der Solda⸗ ten, die ſich gelagert hatten und nach den An⸗ ſtrengungen des Kampfes ſich an der Beute güt⸗ lich thaten.

Es war Nachmittag. Der Wind war ſtär⸗ Iwan und Matthias ihre Mäntel und gingen dann langſam e Felder. Ein Zug feſſelte ihre Auf⸗ ukeit. Eine Kompagnie Soldaten, geführt low, marſchirte auf ein Gebüſch zu. enge anderer Soldaten folgten einzeln und in Haufen. Neugierig traten die Freunde näher. Der Zug war an dem Gebüſche ange⸗ langt, hinter dem ein kleiner Hügel lag. Or⸗ low ließ die Kompagnie auseinandertreten und gleich darauf führten einige Soldaten einen Menſchen, der kaum aufrecht gehen konnte, vor die Fronte der Kompagnie.

Es war Herr von Heyden. Der unerbitt⸗ liche Orlow hatte ſeinen Racheplan nicht auf⸗ gegeben. Iwan und Matthias hörten den un⸗ glücklichen Heyden jammern und ſchreien, und ſahen ihn auf die Knie ſinken. Sie wollten das traurige Schauſpiel nicht in der Nähe ſehen und blieben von fern ſtehen.

Heyden war auf die Kniee geſunken und faltete die gefeſſelten Hände, während einige Soldaten raſch ein Grab gruben. Orlow ſprach noch einmal vor der Front der Kompagnie mit lauter Stimme das Urtheil über den Schuldi gen, zählte ſeine Verbrechen auf und erklärte das Urtheil für rechtmäßig. Dann trat er zur Seite und kommandirte mit lauter Stimme Feuer! während Heyden laut auſfſchrie. Eine Abtheilung der Soldaten, die vorgetreten war und ſchon im Anſchlag nach, gab Feuer. Hey⸗ den ſtürzte in die Grube, die man raſch über ihm zuwarf. Die Geſchichte eines verbreche⸗ riſchen Menſchenlebens hatte geendet.

Iwan und Matthias wandten ſich ſtumm ab und gingen dann weiter. Orlow hatte ſie bemerkt und folgte ihnen. Er hatte das Schloß und die Umgegend rekognoscirt und ſprach mit