Jahrgang 
1 (1851)
Einzelbild herunterladen

Meine Unruhe und Traurigkeit am Abend hät⸗ ten mich beinahe verrathen. Endlich aber leg⸗ ten ſich die Mägde nieder und ich ſchlüpfte durch das Fenſter in den Park. Es war Alles ganz ſtill; nur der Herbſtwind rauſchte durch die ho⸗ hen Bäume und der Mond ſchien ſchwach. In

keinem Zimmer brannte mehr Licht. Auch das Fräulein hatte ihr Licht ausgelöſcht. Ich holte

die Leiter aus dem Verſteck und legte ſie an die Mauer des Parkes. Es mochte bald Mitter⸗ nacht ſein. Da hörte ich das Fenſter des Fräu⸗ leins ſich öffnen. Ich trat heran, und flüſterte, daß Alles ruhig ſei. Das Fräulein ließ die Strickleiter herunter. Ich zitterte vor Angſt, als ſie behend auf die dünnen, ſchwankenden Stricke trat und langſam und vorſichtig herab⸗ ſtieg. Als ſie glücklich unten angekommen war, warf ſie ſich in meine Arme und weinte einige Minuten lang. ⸗Sie war in demſelben Kleide, in dem ſie gekommen war. Nichts hatte ſie mit⸗ genommen. Sie ſah ſehr ſchön, aber ſehr blaß aus. Um ihren Kopf hatte ſie ein ſchwarzes Tuch geſchlungen. In ihrem Gürtel ſteckte ein kleines ſcharfes Meſſer. Sie bat mich noch ein mal, daß ich ſie begleiten ſolle. Aber ſo lieb ich das Fräulein hatte, ich konnte das Schloß nicht verlaſſen. Ich bat ſie, ſie möge mir das Herz nicht ſchwer machen. Darauf dankte ſie mir mehr, viel mehr, als ich verdiente, für Al⸗ les, was ich gethan und bat mich, daß ich vor⸗ ſichtig ſein und mich nicht verrathen ſolle, da⸗ mit man mich nicht beſtrafe. Es wäre mir al⸗ lerdings vielleicht ſchlimm ergangen, denn aus⸗ gefragt hat man mich genug nachher; aber zu⸗ fällig war in derſelben Nacht ein Leibeigener geflohen, und ſo fiel der Verdacht auf den. Das Fräulein ſtieg dann auf die Leiter. Ich konnte mich noch nicht von ihr trennen nnd ſtieg nach. Oben auf der Mauer angelangt, die breit ge⸗ nug war, um auff derſelben ſitzen zu können, zo⸗ gen wir Beide die Leiter hinauf und ſenkten ſie auf die andere Seite nieder. Noch war Nie⸗ mand zu ſehen. Aber gerade, als das Fräulein hinabſteigen wollte ich beſinne mich noch ganz deutlich, es war ſchauerlich hob ſich dicht ne⸗ ben dem Fußende der Leiter der Raſen in die Höhe, und ein alter Mann mit langem grauen

548

Haar und Bart und mit ganz zerriſſener und beſchmutzter Kleidung ſtieg aus der Erde empor. Es war der alte Crispin, Dein Vater, Iwan! Das Fräulein drückte mir noch einmal die Hand,

ſtieg dann eilig hinunter und ſank Deinem Va⸗ ter ans Herz. Er ſah ſie lange an und ſagte dann: Ja, Sie ſind Waldau's Tochter! Damn fragte er, wer ich ſei, und fragte, ob ich nicht mit ihnen gehen wolle. Ich konnte nicht ſpre chen, ich ſchüttelte nur den Kopf. Das Fräu⸗ lein flüſterte mir ein letztes Lebewohl zu und verſchwand dann mit Deinem Vater in der Nacht, Ich aber zog die Leiter wieder hinauf und ſtieg traurig in den Park und in mein Kämmerchen zurück.

Die Thränen des guten Mädchens ſloſſen reichlich bei dieſem letzten Theil ihrer Erzählung. Auch Iwans Mutter hemmte den Lauf derſelben nicht. Iwan ſelbſt ſtand düſter und regungs⸗ los da, noch lange, nachdem Natalja ſchon ge ſchwiegen hatte. Er ſchien immer noch die ſanf ten, klagenden Töne des Mädchens, in denen ſie ihre Erzählung vorgetragen hatte, zu hören.

Und Du weißt nicht, Natalja, fragte er endlich, nach langer Pauſe, wohin Olga und mein Vater gegangen ſind?

Nein, antwortete das Mädchen. Sie wußten es ſelbſt nicht. Das Fräulein ſprach einmal von einem ſchönen Schloſſe, wo Du auch geweſen biſt, wie das Fräulein ſagte. Sie meinte, vielleicht wollten ſie dorthin gehen. Dort würden ſie vielleicht etwas von Dir erfahren.

Sophiofka? hieß es Sophiofka? rief Iwan und über ſeine Züge flog ein Strahl der Hoffnung.

Ja, ſo hieß es! antwortete das Mädchen. Aber Fräulein Olga wußte noch nicht, ob Dein Vater einwilligen würde, dorthin zu gehen.

Wenn es möglich wäre! rief Iwan, deſ⸗ ſen Züge wieder Leben und Bewegung ange⸗ nommen hatten. Wenn ſie dort noch wären! O, die Gräfin Potocki iſt ſo gut, ſte wird mei nen Vater, meine Geliebte mit Freuden aufge⸗ nommen haben!

Er verſank in Nachdenken und ſtand noch lange an die Mauer des Parks gelehnt.

Das Schickſal des Aufſtandes, ſagte er

onn, wie nich mein tr, wolle ſi moglic vir hier 9 Theil ne und vorn J Iwan. heit! Et iſt, dar trennen. Schickſa Die ſanft rie

Wärme was D Nie w ſtets n ren E darfſt, wir na unſer R. den jt nigkei

für T daß i habe. 3

Er n ihre ſens, Er hen Seel

blick licht

liebt

ner

Geg

han

die