Jahrgang 
1 (1851)
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ein. Ein Micchele trat vor, Colletta ſchüttelte ihm viſhen den treuherzig die Hand.

Alter Freund! ſagte er, wir ſehen uns lüde, ſage unter traurigen Umſtänden wieder! Neapolitaner len zu m kämpfen gegen Neapolitaner, Brüder gegen e mit den Brüder!

Die Franzoſen ſind nicht unſere Brüder, tte, als a warf Miecchele unwirſch ein. der Fran⸗ Aber ſie ſind die Unſrigen, antwortete es Kaſtell Eolletta ſeſt und beſtimmt. Sie kämpfen für nd, daß ee unſere Freiheit, ſie vergießen für das zukünftige ie er fochl, Glück Neapels ihr Blut. Sollen wir ſie zu⸗ Scheide und rückweiſen? O Miecchele, Micchele! Noch im⸗ ſcwwenkend, mer, wenn ich früher mit Dir plauderte, ſprachſt

Du ſo verſtändig und einſichtsvoll! Daß die den Raum anderen Lazzaroni in ihrer Verblendung die der trenne, Waffen gegen uns führen, wundert mich nicht. den Haͤuſe Aber daß auch Du gegen uns biſt, ſchmerzt mich letta's Hut tief! Für wen kämpft Ihr denn, Brüder? Für H entriſte, Euren König, der geflohen, der Euch ſchmählich hdem gen⸗ mit ſeinen Schätzen verlaſſen? Für einen Ty⸗ en. Er er rannen, der Euch als elendes Werkzeug behan⸗ ete, bis der delt und Euch wegwerfen wird, ſobald er Euch m die Wir⸗ genug gebraucht? Vergießt Ihr darum Euer anen. Ab Blut, um, wenn Ihr geſiegt habt, unter die nerkte, da alte Tyrannei zurückzukehren, als Bettler und leunig in Straßenräuber Euer Leben zu beſchließen?

Micchele antwortete nicht. Colletta's Worte

hatten einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. t er, ſeinen Er wußte ihnen nichts entgegen zu ſetzen. ind auf die Und wir, fuhr Colletta wärmer fort, wir üſtung über bringen Euch Freiheit, Glück und Unabhängig⸗ en keit! Wir wollen, daß Ihr, Ihr Lazzaroni, die eön Schritt Ihr unſere ärgſten Feinde ſeid, daß Ihr gleiche

erruhig auf Rechte haben ſollt mit den Vornehmſten des aner erwar⸗ ganzen Königreichs, daß Ihr freie Bürger ſein Reihen der⸗ ſollt eines freien Landes! Kein Unterſchied mehr erwähnten ſoll gemacht werden zwiſchen arm und reich, 4 Fe Ge⸗ vornehm und gering! Die drückenden Abgaben, stulſe gol⸗ die der Despotismus, um ſeine Willkür, ſeine Agen f und Lüſte zu befriedigen, über das ganze Land ver⸗ d An hängt hat, ſie ſollen fallen! Ihr ſollt Eure An⸗ garoni ge gelegenheiten ſelbſt verwalten, die Lazzaroni ſol⸗

len neben den Adligen im Rathe ſitzen! Statt ichell 1 Knechtſchaft bringen wir Euch Freiheit, ſtatt der Willkür des Tyrannen Gleichheit vor dem Ge⸗ t ad iß⸗ ſtatt Schmach und Unterdrückung Anſehen

und Macht, ſtatt Elend und Noth Glück und Unabhängigkeit! Das Alles bringen wir Euch, Micchele, und Ihr kämpft gegen uns?

Der Anführer der Lazzaroni ſchwieg erſchüt⸗ tert ſtill.

Und wenn ich auch wollte, ſagte er end⸗ lich leiſe und mit geſenktem Blick, wenn ich auch Euren Worten traute, Don Pietro Colletta, was würden meine Brüder ſagen?

Verkünde ihnen, was ich Dir geſagt habe! rief Colletta. Wenn Du es ihnen ſagſt, wer⸗ den ſie nicht zweifeln. Und, Micchele, glaubſt Du denn wirklich noch, daß Ihr uns widerſtehen könntet? Siehe, die Helden der republikaniſchen Armee lagern auf allen Platzen von Neapel, auf dem Kaſtell weht die republikaniſche Fahne und hinter mir ſteht Championnet mit acht Tau⸗ ſend Mann Kerntruppen. Es iſt Wahnſinn, an Widerſtand zu denken!

Ja, ſagte Micchele, es iſt wahr, ich habe es auch geſagt. Aber es iſt vergebens, Don Colletta, die Lazzaroni werden kämpfen bis auf den letzten Mann, denn die Prieſter haben uns geſagt, daß die Franzoſen kämen, um uns un⸗ ſeren Glauben zu entreißen, um unſere Kirchen zu ſchänden, und den heiligen Januarius, un⸗ ſeren Schutzpatron, abzuſetzen. Die Lazzaroni kämpfen für ihre Religion, Don Pietro!

O über die Schändlichen! rief Colletta entrüſtet aus. Fluch auf ihr Haupt! Sie ha⸗ ben Euch ſchändlich belogen! Glaubſt Du, Mic⸗ chele, mein Freund, ich würde in den Reihen der Franzoſen kämpfen, wenn ſie unſere Reli⸗ gion vernichten wollten? Schmach auf das Haupt der Pfaffen! rief er lauter) daß es über den ganzen Platz ſchallte, der Gcheral Championnet iſt ein guter Katholik und die republikaniſchen Kämpfer für die Freiheit ſind glaͤubige Chriſten! Der General Championnet wird eine Ehrenwache ſchicken für den heiligen Januarius!

Es lebe der General Championnet! Es lebe der heilige Januarius! riefen die umſtehen⸗ den Lazzaroni begeiſtert. Sie hatten den größ⸗ ten Theil der Unterredung vernommen und bei⸗ fällig den Worten Colletta's zugenickt. Dieſe eigenthümlichen Menſchen, kurz vorher noch die wüthendſten Feinde der Franzoſen, entſchloſſen,

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