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bis auf den letzten Mann zu kämpfen, waren plötzlich wie durch einen Zauberſchlag umgewan⸗ delt. Mit dem Rufe: Es leben die Franzoſen! Es lebe die Freiheit! ſtürzten ſie einander in die Arme, und eilten über den Platz, um die Fran⸗ zoſen an die Bruſt zu drücken und als Befreier zu begrüßen.
General Championnet trat vor und zog den Degen.
— Zwei Kompagnieen Grenadiere hervor! rief er. Nach der Kathedrale! als Schutzwache für den heiligen Januaris!
Der Jubel war unermeßlich. Das Freuden⸗ geſchrei nahm kein Ende. Wie ein Blitz ver⸗ breitete ſich die freudige Nachricht durch ganz Neapel. Alle umarmten ſich unter Freudenthrä⸗ nen und unter dem Rufe: Es lebe die Freiheit!
Mit weithin ſchallender kriegeriſcher Muſik marſchirten die beiden Kompagnieen Grenadiere nach der Kathedrale, begleitet von dem Jubel⸗ ruf der Menge. 4
In dieſem Augenblicke öffneten ſich auch die Pforten des Kaſtells. Die Republikanér ſtürz⸗ ten aus dem Thor und wurden mit lautem Bei⸗ fallsgeſchrei empfangen. 7
Colletta eilte den Kommenden entgegen. An⸗ tonio ſtürzte auf ihn zu.
— Und wo iſt Luigia? Wo iſt Eleonora? rief Colletta beſorgÄt. Warum zögern ſie? Warum eilen ſie nicht, den Jubel der Freiheit mit uns zu theilen?
— Mit Thränen in den Augen warf ſich Antonio in die Arme des Freundes.
— Die erſte Szunde der Freiheit Neapels iſt für uns n und bitteren Schmerzes! flüſterte er leiſe. Luigia und Eleonora ſind ge⸗ raubt!
Sprachlos Vor Schmerz hielten ſich die bei⸗ den Freunde umſchlungen. Colletta's Herz ſchien brechen zu wollen bei dieſem plötzlichen Ueber⸗ gange von der höchſten Freude zur gräßlichſten Verzweiflung.
Plötzlich rgffte er ſich auf. — Noch ſt nicht Alles verloren! rief er
mit wild blickenden Angen. Noch bleibt uns wenigſtens die Rache! Komm Antonio! Ich habe den Elenden bemerkt, den Federigo! Seine Ku⸗
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gel hat mein Haar geſtreift. den Verräther!
Und den Freund mit fortreißend, eilte er auf den Platz, wo die Verſöhnung ſtattgefun⸗ den hatte. Er erkannte das Haus, aus dem Federigo's Schuß gefallen war, an dem durch⸗ brochenen Fenſterbogen, hinter welchem der Schändliche verſchwunden war.
Die beiden Freunde eilten mit gezogenem Degen hinein, ohne zu bedenken, daß Federigo ſich unmöglich noch an einem Ort aufhalten würde, der ſeinen Feinden ſo verdächtig ſein mußte. Das Haus, in welchem während des Kampfes die Fenſter zerſchlagen und die Mauern durchbrochen worden waren, war von ſeinen Eigenthümern ſoeben wieder in Beſitz genom⸗ men worden. Es herrſchte theilweiſe Jubel und Freude, während auch manche Thräne noch floß, denn hin und wieder im Hauſe zerſtreut lagen die Leichen einzelner Kämpfer.
Erſt als Colletta und Antonio mitten unter die Gruppe der Bewohner getreten waren, und als ſie gefragt wurden, was ſie wünſchten, wen ſie ſuchten, erkannten ſie das Nutzloſe ihres Be⸗ mühens. Federigo war den Meiſten kaum dem Namen nach bekannt. Es war offenbar, daß er ſich nur vorübergehend während des Kam⸗ pfes in dem Hauſe befunden hatte.
In ſtummer Verzweiflung ſtanden die bei⸗ den Freunde inmitten der fremden Leute, die ihrer Erzählung zwar mit großer Theilnahme gelauſcht hatten, aber ſich bald wieder ihren frü⸗ heren Beſchäftigungen hingaben.
Colletta trat an das Fenſter, aus dem Fe⸗ derigo den Schuß abgefeuert hatte, und unter⸗ ſuchte mit faſt hoffnungsloſem Blicke den Fuß⸗ boden, ob dort nicht vielleicht irgend eine Spur des Verräthers ſich vorfinde. Ein Streif Pa⸗ pier, von dem die Hälfte fortgeriſſen war, lag auf der Erde. Es mußte haſtig durchgeriſſen ſein, denn der Riß war faſt ſchnurgrade.
— Er wird keine Patrone gehabt haben, ſagte Colletta, und hat aus dem abgeriſſenen Streifen ſich eilig einen Pfropfen gewickelt. Doch ſieh! da iſt Etwas geſchrieben auf dem Blatt!
Beide Freunde neigten das Geſicht auf das Papier nieder, und bemühten ſich, die haſtigen,
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