Jahrgang 
1 (1851)
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Colletta befand ſich neben Championnet, der ſeine Truppen perſönlich zum Sturm führte. Bei Tagesanbruch rückten die franzöſiſchen Ko⸗ lonnen gegen die verſchiedenen Stadttheile vor. Ein mörderiſcher Kampf begann. Jedes Haus war von den Lazzaroni's in eine Feſtung ver⸗ wandelt worden. Sobald die franzöſiſchen Gre⸗ nadiere eine Straße betraten, wurden ſie von einem mörderiſchen Gewehrfeuer aus den Fen⸗ ſtern und von den Dachern der verbarrikadirten Häuſer empfangen. Nur langſam, und erſt nach⸗ dem ſie die Leichname der Gefallenen aus dem Wege geräumt hatten, konnten die Franzoſen vorſchreiten.

Die Republikaner in der Stadt ſelbſt be⸗ mühten ſich, ſo gut ſie konnten, das Vordringen der franzöſiſchen Armee zu unterſtützen. Als Lazzaroni verkleidet, miſchten ſie ſich unter die Vertheidiger, verſuchten dieſelben irre zu führen oder über die wahren Angriffspläne der Fran⸗ zoſen zu täuſchen. Um dem entſetzlichen Ge⸗ metzel ein ſchnelles Ende zu machen, ſcheuten ſie ſich nicht, die Lazzaroni ſelber den Reihen der Franzoſen entgegenzuführen;eine heilloſe Handlung, ſagt ein Augenzeuge jenes ſchreck⸗ lichen Tages,wenn man auf die verrathene Treue Rückſicht nimmt, aber zu entſchuldigen und ſogar löblich, weil ſie zum Zwecke hatte, den Exceſſen und Gräueln der Anarchie ein Ende zu machen. Vor dem Gerichte Gottes und der Geſchichte tragen an den zahlloſen Ver⸗ brechen jener Zeit diejenigen die Schuld, welche den Krieg angefacht und dann im Stiche ge⸗ laſſen, welche das Volk zu den Waffen gerufen und dann die eigenen Anhänger, den Staat, die Gewalt und die Zügel des Staates preisgegeben haben.

Championnet und Colletta waren im dich⸗ teſten Kugelregen bis auf einen freien Platz vorgedrungen, den die Lazzaroni Kopf an Kopf füllten. Der Kampf artete in ein ſchreckliches Gemetzel aus..

Da krachte eine volle Ladung vom Kaſtell St. Elmo auf die Stadt hernieder. Die Laz⸗ zaroni wichen mit furchtbarem Geſchrei zurück. Als ſie aufblickten, wehte die franzöſiſche Fahne vom Kaſtell.

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Eine augenblickliche Pauſe trat ein. Ein kleiner Zwiſchenraum bildete ſich zwiſchen den kämpfenden Parteien.

Ich bin des Gemetzels müde, ſagte Championnet zu Colletta. Wir wollen zu un⸗ terhandeln verſuchen. Sprechen Sie mit dem Volke, Colletta!

Dieſer, dem das Herz geblutet hatte, als er ſeine Landsleute unter den Salven der Fran⸗ zoſen und den Kartätſchenſchüſſen des Kaſtells ſtürzen ſah, und nur darin Troſt fand, daß es die Sache der Freiheit war, für die er focht, ſteckte freudig den Degen in die Scheide und ein weißes Tuch mit der Rechten ſchwenkend, trat er auf die Lazzaroni zu.

Als er gerade allein und ſchutzlos den Raum durchſchritt, der die Kämpfer von einander trennte, fiel aus einem der gegenüberliegenden Häuſer ein Schuß. Die Kugel fuhr in Colletta's Hut und riß ihn zur Erde. Colletta ſah entrüſtet, und im Begriff, zurückzuſpringen, nach dem Fen⸗ ſter hin, aus dem der Schuß geſallen. Er er⸗ blickte Jemand, der nur darauf wartete, bis der Pulverdampf ſich verzogen hätte, um die Wir⸗ kung des Schuſſes beurtheilen zu können. Als der Schütze drüben am Fenſter bemerkte, daß er ſein Ziel verfehlt, ſprang er ſchleunig in's Zimmer zurück.

Colletta hatte ihn erkannt.

Federigo! Schurke! murmelte er, ſeinen Hut von der Erde aufnehmend, und auf die Lazzaroni zuſchreitend, die ihre Entrüſtung über den verrätheriſchen Schuß ausſprachen.

Als Colletta nur noch ungefähr zehn Schritte von den Lazzaroni entfernt war, die ruhig auf ihre Gewehre geſtützt den Republikaner erwar⸗ teten, bemerkte er in den vorderſten Reihen der⸗ ſelben ihren Anführer, den oben erwähnten Micchele il Pazzo, eine hohe, muskulöſe Ge⸗ ſtalt, mit trotzigen aber ehrlichen Augen. Col⸗ letta kannte ihn ſchon von Jugend auf und hatte oft mit dem verſtändigen Lazzaroni ge⸗ plaudert.

Micchele! rief Colletta; Micchele! Ich habe ein Wort mit Dir zu reden!

Ja, ja, der Micchele ſoll mit den Fran⸗ zoſen unterhandeln, ſtimmten die Lazzaroni bei.

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