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— Wir kommen als gute Freunde, rief An⸗ tonio im neapolitaniſchen Volksdialekt. Wo iſt der Kommandant, wir haben mit ihm zu ſprechen.
Nach einer kleinen Pauſe erſchien Niccolo Carracciolo am Thore. Viele von den Lazza⸗ roni, die das Kaſtell beſetzt hielten, umgaben ihn, oder ſchauten von den Mauern neugierig auf die Ankommenden herab.
— Was wünſcht Ihr, Freunde? rief Car⸗ racciolo durch das Gitter.
— Wir kommen als Abgeſandte des Volks, Herr Kommandant! antwortete Antonio Ferri mit lauter, Vertrauen erweckender Stimme, aber mit pochendem Herzen. Wir haben uns dem Magiſtrat zur Verfügung geſtellt, weil heut ein allgemeiner Kampf gegen die Franzoſen, die Jakobiner, die Feinde unſeres guten Königs Ferdinand unternommen werden ſoll. Wir wer⸗
den den fremden Schnapphähnen zeigen, daß
die Lazzaroni eine gute Fauſt führen, wenn ſie für ihren König und für die heilige Madonna fkämpfen! Ganz Neapel wird heute auf die Mauern ſteigen oder ins Feld ziehen. Selbſt die Prieſter, der Adel und die Herren von der Obrigkeit werden nicht zurückbleiben.„Beim heiligen Januarius, wir werden den Franzoſen heimleuchten! Als gute Patrioten haben auch wir nicht zurückbleiben wollen, und haben uns mit Waffen und Munition dem Dienſte des Vaterlandes als brave Lazzaroni zur Verfügung geſtellt. Da haben uns die Herren geſagt, daß die einzelnen Abtheilungen ſchon gebildet wären, und daß ſie nicht wüßten, wohin ſie uns ſchicken ſollten. Aber wir möchten nach dem Kaſtell gehen, da könnten wir zeigen, ob wir es mit unſerem guten König redlich meinten, denn da würde es einen harten Strauß zu beſtehen ge⸗ ben. Das wünſchten wir nun gerade, und des⸗ halb bitten wir den Herrn Kommandanten uns einzulaſſen. Wir haben gute Fäuſte und guten Muth; wir werden den Franzoſen zeigen, daß wir keine Verräther ſind, wie der öſterreichiſche Schmarotzer Mack, der unſeren König ins Un⸗ glück geſtürzt hat.
Lauter Beifall erſcholl aus den Reihen der Lazzaroni im Kaſtell, während die Republikaner
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ihre Arme betheuernd emporhoben, und einzeln, fluchend und ſchwörend, die Worte Antonio's wiederholten.
— Aber, wo habt Ihr Eure Waffen, Brü⸗ der Lazzaroni? fragte Niccolo Carracciolo.
— Die haben wir unten in der Stadt ge⸗ laſſen, antwortete Antonio, weil ſie uns ſagten, daß ſie dort fehlten, und daß wir hier genug Inſtrumente finden würden, die Jakobiner tod zu ſchlagen. Wollt Ihr alſo unſere guten Dienſte annehmen, Herr Kommandant?
— Freilich, freilich! Nur herein, Brüder! riefen die Lazzaroni voll Freude über die 1en ſo gutgeſinnten Ankömmlinge aus, und noch ehe Carracciolo, der innerlich über die gelungene Liſt höchſt erfreut war, antworten konnte, waren
die Thore bereits geöffnet und die verkleideten
Republikaner als gute Lazzaroni begrüßt und umarmt worden..
So befand ſich denn Antonio mit ſeiner Luigia innerhalb derſelben Ringmauern. Sein Herz pochte bei dem Gedanken an das Ent⸗ zücken des Wiederſehens. Der Boden brannte ihm unter den Füßen. Carracciolo, bei dem er Erkundigungen über das Schickſal der Geliebten
einzog, meldete ihm, daß dieſelbe mit ihrer
Freundin und ihren Eltern in einem der tiefſten Gewölbe des Kaſtells ſchmachte, und daß er die Lazzaroni nur mit Mühe habe abhalten können, die Gefangenen zu mißhandeln. Von Federigo wußte er auch nichts weiter, als daß er ſchwer verwundet nach der Stadt gebracht worden ſei.
Trotz der ungeſtümen Wünſche Antonio's duldete es Carracciolo indeſſen nicht, daß An⸗ tonio ſchon jetzt Luigia aufſuche. Er hatte Recht. Antonio's Ungeſtüm hätte den Lazzaroni unbe⸗ dingt Verdacht einflößen müſſen, und Alles wäre verloren geweſen.
Denn Niccolo Carracciolo war der einzige geheime Republikaner im Kaſtell. Zwar war er Kommandant und hatte den Oberbefehl über die ganze Beſatzung, aber ihm faſt gleich an Rang und von noch großerem Anſehen bei den Lazzaroni war Luigi Brandi, der die einhundert und dreißig Lazzaroni, welche die Beſatzung des Kaſtells bildeten, dorthingeführt hatte. Er war
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