Jahrgang 
1 (1851)
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ſtehen können. Ich bin ebenfalls der Meinung. Nur, ſagte ſie mir, fehle ein geſchicktes Haupt zur Unternehmung, die kühnſten und kräftigſten Republikaner ſchmachteten im Kerker. Mehrere kleine Angriffe ſind bereits verunglückt, die Be⸗ ſatzung iſt wachſam geworden, die Ueberrumpe⸗ lung bedarf jetzt eines ſehr kühnen und ſchlauen Anführers. Wer von Ihnen, meine Freunde, will das Wagſtück unternehmen?

Ich, ich! rief Antonio. Laß mich hin, Colletta! Meine Luigia! Ich muß ſie wieder⸗ ſehen!

Mir iſt es recht, antwortete der Gene⸗ ral. Ich bedarf Ibrer ſo wie ſo noch höchſt nothwendig, lieber Colletta! Aber es iſt Eile nöthig, womöglich morgen muß der Schlag ge⸗ ſchehen.

Heutel! den Augenblick! rief Antonio, und ſeine Augen funkelten. Jede Minute iſt mir koſtbar!

Sind Sie aber auch wiederhergeſtellt genug? fragte theilnehmend der General. Die Unternehmung bedarf großer körperlicher Ge⸗ wandtheit und Kraft.

O, ich bin ſtark, wie ein Löwe, wenn es gilt, meine Luigia zu retten. Zweifeln Sie nicht, General! rief Antonio, ſeine Arme aus⸗ ſtreckend. Ich nehme das Kaſtell, meine Ehre zum Pfande!

Nun gut denn, ſagte Championnet, ſich verabſchiedend, machen Sie ſich bereit. Ich werde Ihnen die Republikaner herſenden, über⸗ legen Sie mit ihnen den Plan.

Freundlich grüßend verließ er das Zimmer. Gleich darauf traten drei Neapolitaner, den beiden Freunden wohlbekannt, ein. Bald war der Plan zur Ueberrumpelung beſprochen.

Antonio konnte den Anbruch der Nacht kaum erwarten, unter deren Schutze ſie ſich nach Nea⸗ pel zurück ſchleichen wollten.

Mit einer heißen Umarmung und dem Wunſche für ein baldiges, beſſeres Wiederſehen trennte ſich Antonio Colletta.

Es war in der Nacht vom 18. zum 19. Ja⸗ nuar 1799, als ſich Antonio Ferri mit ſeinen

drei Genoſſen nach Neapel auf den Weg machte. Durch die Dunkelheit begünſtigt, täuſchten ſie die Wachen, da ſie ſich als zur Hülfe ziehende Lazzaroni verkleidet hatten, und langten glücklich innerhalb der Ringmauern an.

Nach der Strada di Chiaga wagte Antonio nicht zu gehen. Man würde ihn dort unfehlbar erkannt haben. Auch berichteten ihm ſeine Freunde, daß Luigia mit ihren Unglücksgefähr⸗ ten noch immer im Kaſtell ſchmachte. Was aus Federigo geworden ſei, wußten ſie nicht anzu⸗ geben. Aber den Pater Ignazio hatten ſie zu⸗ weilen die Stadt durchſchleichen und die Lazza⸗ ronibanden zur verzweifelten Gegenwehr anrei⸗ zen ſehen.

Zeit zum Ueberlegen war nicht viel, das Kaſtell mußte ſo ſchnell als möglich genommen werden. Man ſprach in der Stadt davon, daß daſſelbe nicht mehr vor den Republikanern ſicher ſei und in den nächſten Tagen ſollte die Be⸗ ſatzung deſſelben um das Dreifache vermehrt werden. Antonio ließ deshalb dreißig ſeiner bewährteſten Freunde, lauter junge, kräftige, meiſt adelige Männer zuſammenkommen, und überlegte mit ihnen den Plan zur Ueberrumpe⸗ lung. Eins geſchickter Republikaner mußte es uͤbernehmen, den Kommandanten des Kaſtells, Nic⸗ colo Carracciolo, von demſelben zu benachrichten.

Es war am zwanzigſten Januar. Die er⸗ ſten Streifen des Morgenroths zuckten um den Gipfel des Veſuvs. Noch lag tiefe Ruhe über den Straßen und Paläſten Neapels.

Ein Zug von ein und dreißig jungen Män⸗ nern bewegte ſich dem Kaſtell St. Elmo zu. Sie waren alle als Lazzaroni gekleidet; Einige von ihnen, die dem Volke bekannter waren, hat⸗ ten Haar oder Bart verändert, um nicht erkannt zu werden. Antonio Ferri war mitten unter der Schaar, die ſich regellos, plaudernd und lachend dem Kaſtell zu bewegte. Keiner von ihnen trug Waffen.

Die Sonne ging auf, das Gewehr der am Thore des Kaſtells auf⸗ und abwandelnden Schildwache glänzte in den erſten Strahlen des heraufflammenden Geſtirns.

Wer iſt da? rief die Wache. wollt Ihr?

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