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Ueberdies war keine von all' den Wunden ge⸗ fährlich geweſen, obgleich faſt kein Theil weder an Pietro's noch Antonio's Körper unverſehrt geblieben war. Nachdem ſie ſich von der Er— müdung jener Nacht erholt hatten, fühlten ſie ſich bald wieder friſch und ſtark und bereit, an dem bevorſtehenden Kampfe gegen die letzten Reſte der neapolitaniſchen Söldlinge Theil zu nehmen.
Dennoch waren Beide im Innerſten ihrer Seele tief gebeugt. Sie wußten, Luigia und Eleonora ſchmachteten im Kerker, waren der Wuth des Pöbels ausgeſetzt, waren vielleicht ſchon nach Sicilien hinübergeſchleppt! Vielleicht lebte Federigo noch! Sie wagten dieſen Gedan— ken nicht auszudrücken. Nur ihre ſtummen Blicke verkündeten die Qual ihres Herzens. Zu ſprechen vermochten ſie nicht darüber; ſtill trug Jeder ſeinen Kummer für ſich.
So ſaßen ſie eines Tages ſtumm nebenein⸗ ander, als der General Championnet zu ihnen in's Zimmer trat.
— Nun, meine Herren, ſagte er in fließen⸗ dem Italieniſch, ich höre, Sie ſind wieder wohl auf. Aber warum ſo traurig? In wenigen Ta⸗ gen werden Sie in dem freien Neapel ſein. Ich dächte, da könnten Sie ſchon etwas heiterer in Ihren blauen Himmel hineinſehen. Freilich, wenn Sie etwa ſchon wiſſen, was jetzt in Nea⸗ pel vorgeht, dann kann ich Ihnen Ihr Herze⸗ leid nicht verargen! Es iſt ein Jammer! Der König und die Königin ſind geflohen, Acton, der engliſche Schurke, und Kardinal Ruffo, Ihr Landsmann, aber— verzeihen Sie mir— ein wahrer Teufel, mit ihnen. Da haben Sie einen gewiſſen Pignatelli, Sie werden ihn kennen, meine Herren, zum Reichsverweſer eingeſetzt, einen hochmüthigen Menſchen, der aber nichts verſteht, als die Gefängniſſe mit den beſten Bürgern von Neapel vollzupfropfen. Es herrſcht eine furchtbare Verwirrung in der Stadt. Nie⸗
mand iſt Herr, Niemand kann dem Pöbel, die⸗
ſer Rotte von Lazzaroni's, Einhalt gebieten. Fürchterlich hauſt dieſe Bande. Jeder angeſe⸗ hene Mann iſt ihnen ein Jakobiner, ſie ſchlagen ihn todt, oder ſchleppen ihn ins Gefängniß, plündern und verbrennen ſein Haus. Sie ha⸗
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ben ſich einen Anführer gewählt, einen gewiſſen Micchele il Pazzo, einen guten Kerl, der aber über die Rotte nicht zu gebieten vermag.
Selbſt die königlichen Paläſte plündern ſie, das heißt, ſie ſtehlen, was Se. Majeſtät übrig gelaſſen hat. Viel wird's nicht ſein, ſie haben Alles mit nach Palermo geſchleppt! Jetzt amü⸗ ſiren ſich die Lazzaroni in den königlichen For⸗ ſten und fiſchen in den Seen, die ihnen Pigna⸗ telli in ſeiner Herzensangſt zur beliebigen Dis⸗ poſition geſtellt hat. Aber es ſind ihrer noch genug in Neapel zurückgeblieben, um die Stadt in einen Schutthaufen zu verwandeln.
Weder Greiſe noch Weiber ſchont die Bande—
— Luigia! flüſterten Beide zu gleichen Zeit.
— Eleonoral ſetzte Colletta tief ſeufzend hinzu.
— Wie, meine Freunde? Sind Ihre Ge⸗ liebten in den Händen des Pöbels? rief der General theilnehmend aus.
Colletta erzählte ihm das gräßliche Aben⸗ teuer jener Nacht. Der General lauſchte mit geſpannter Aufmerkſamkeit dem Berichte Collet⸗ ta's, der mit bebender Stimme vorgetragen wurde.——
— Alſo in St. Elmo ſchmachten die un⸗ glücklichen Frauen? Nur Muth! Geben Sie nicht die Hoffnung auf, meine Freunde! Noch iſt St. Elmo ſicher. Niccolo Carracciolo, ein guter Republikaner, iſt dort Kommandant; frei⸗ lich muß er ſich gut königlich ſtellen, ſonſt hän⸗ gen ihn die Lazzaroni, die mit ihm das Kaſtell beſetzt halten. Aber es iſt gut, meine Herren, daß Sie mir das ſagen. Gerade wegen des Kaſtells St. Elmo wollte ich mit Ihnen ſpre⸗ chen. Da Sie bei der Sache perſönlich inter⸗ eſſirt ſind, ſo werden Sie mir um ſo bereit⸗ williger entgegenkommen. So eben habe ich mit einigen guten Republikanern, die ſich aus Neapel zu mit durchgeſchlichen, geſprochen. Sie ſchildern die Lage der Stadt als verzweifelt, ſie ſagen mir, daß ich von den wüthenden Lazza⸗ roni den hartnäckigſten Widerſtand zu erwarten hätte. Doch glauben ſie, wenn das Kaſtell von den Republikanern überrumpelt werden könne, ſo würde die Stadt meinem Angriffe nicht wider⸗


