wildeſten Galopp. Der Renner kam in Bewe⸗ gung, es war, als füble er die Todesnoth ſei⸗ nes Reiters, und nähme ſeine letzte Kraft zu⸗ ſammen.
Dennoch näherten ſich die Verfolger mehr und mehr. Schon hoben ſie zuweilen die Piſto⸗ len, aber noch hinderte ſie die Entfernung und die Dunkelheit der nur zuweilen vom Mond erhellten Nacht, ihre Geſchoſſe abzufeuern.
Colletta bog mit einer haſtigen Wendung vom bisherigen Wege ab, und ſchlug einen Nebenpfad, der zum ſteinernen Kreuze führte, ein. Seine Verfolger, die ihn plötzlich verſchwunden ſahen, ſtutzten. Doch bald verrieth der Huf⸗ ſchlag des Roſſes den Fliehenden, und von neuem begann die wilde Jagd. Zuweilen machte der Weg Krümmungen, dann umſauſten ihn die Kugeln der Reiter, doch ohne ihn zu treffen.
Zuletzt führte der Pfad in gerader Linie zum Kreuze. Im Strahle des durchbrechenden Mon⸗ des erkannte Colletta das weiße Geſtein. Dicht hinter ihm waren die Verfolger.
— Heilige Mutter Gottes! murmelte er vor ſich hin, wo iſt Caraffa? Hat er nicht Wort gehalten? Hat er die Schüſſe nicht gehört? Ich bin verloren!
Der Sturmwind ſchwieg; wieder glänzte der Mond durch die Wolken. Wohl zwanzig Rei⸗ ter hoben zugleich die Arme, um nach dem Flie⸗ henden die mörderiſchen Kugeln ihrer Geſchoſſe zu ſenden. Weithin rollte der Donner, die Ku⸗ geln ſauſten um Roß und Reiter, Antonio, in den Fuß getroffen zuckte ſchmerzhaft, aber ſtumm zuſammen. Colletta's Hut wurde von einer Kugel zur Erde geriſſen. Man hörte den Klang mehrerer Kugeln, die das Kreuz getrof⸗ fen hatten.
Eine hohe kräftige Geſtalt ſprang hinter dem⸗ ſelben hervor.
— Ettore! Ettore, rette mich, rief Colletta, die ganze Kraft ſeiner Stimme zuſammennehmend.
— En avant, mes enfants! kommandirte Caraffa mit kraftvoller Stimme. Quer über den Weg! Feuer auf die Tyrannenknechte! Aber hütet Euch, den Reiter da vorne zu treffen!
Die franzöſiſchen Grenadiere ſprangen auf den Weg und gaben Feuer auf die neapolitani⸗
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ſchen Reiter. Verwirrt wichen dieſe zurück, viele ſtürzten, Einige wandten ſich zur Flucht.
Dann traten die Franzoſen auf die Seite, und ließen Colletta vorüber, den die wohlge⸗ zielten Kugeln der Grenadiere umſauſt, aber nicht getroffen hatten.
Caraffa hob den Freund vom Pferde, und ſetzte ihn auf die Stufen des Kreuzes. Antonio, noch immer leblos, wurde neben ihn gelegt. Der Himmel war ganz hell geworden, der Mond ſchien ſilberklar herab, nur noch einzelne dunkle Wolken jagten an ihm vorüber.
Die Grenadiere traten von der Straße ab, um ihre geringe Zahl nicht ſichtbar werden zu laſſen. Die Neapolitaniſchen Reiter beriethen, ob ſie den Angriff auf einen Feind, deſſen Stärke ſie nicht kannten, wagen ſollten.
Da ertönte ganz in der Nähe ein franzöſi⸗ ſches Lärmſignal.
— Das iſt Kellermann's Kolonne, die ſich mit uns vereinigt! rief Caraffa in freudigem Schreck.
Im nächſten Augenblick ertönten auch aus dem neapolitaniſchen Lager, das Colletta und Antonio Ferri einige Stunden vorher verlaſſen hatten, die Lärmſignale.
— Luſtig, Brüder! das geht zum Kampfe! jubelte Caraffa. Holla, Vorwärts Beaulieu! rief er dem Führer einer Abtheilung der Kel⸗ lermann'ſchen Kolonne zu, die ſich ſo eben zur Linken zeigte— Vorwärts! Es giebt einen Strauß!
Und vor ſeine Grenadiere tretend, griff er die neapolitaniſchen Reiter mit gefälltem Bajo⸗ nett an.
Colletta war in Ohnmacht geſunken. Als er erwachte, fand er ſich neben Antonio im franzöſiſchen Lager, und erfuhr, daß die letzten Reſte des neapolitaniſchen Heeres in die Stadt zurückgeworfen ſeien, und daß der entſcheidende Sturm auf Neapel ſelbſt bevorſtehe.
III.
Mehrere Tage waren vergangen. Colletta's und Ferri's Wunden heilten raſch unter der Pflege der geſchickten franzöſiſchen Wundärzte.
Uebers fährii an J. geblie müdun ſch be dem Reſte nehme
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