Jahrgang 
1 (1851)
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Vorwärts! Vorwärts, Freunde! ſchrie der Pater Ignazio, der aus dem Kaſtell herbeigeeilt war, eine Fackel hoch in die Höhe haltend.

Colletta fühlte, daß es ihm dunkel wurde vor den Augen. Er ſah nur noch, daß Luigia und Eleonora fortgeſchleppt wurden. Er hörte das teufliſche Lachen des Paters.

Antonio lag ohnmächtig neben ihm am Boden.

Da raffte ſich Colletta in die Höhe. Er ließ den Zügel des Roſſes fallen, und ergriff mit der Linken das Kleid Antonio's. Mit Rieſen⸗ ſtärke riß er ihn in die Höhe und warf ihn vor ſich auf das Roß. Dann druückte er dieſem die Sporen ſo wüthend in die Flanken, daß es ſich hoch aufbäumte und die Häſcher zurückwichen.

Auf Viederſehen, meine Geliebten! ſchrie er verzweifelnd den Geraubten nach, hinter de⸗ nen die Thore des Kaſtells geſchloſſen wurden. Dann ſpornte er das Roß über die Leiter der ſtürzenden Häſcher fort, und ſprengte im ſturm⸗ ſchnellen Gallopp dem nachſten Thore zu.

Hinter ihm feuerten die Häſcher ihre Ge⸗ wehre ab. Das Blut Colletta's tropfte aus zahlreichen Wunden auf den Rücken des Pfer⸗ des nieder. Sich halb ohnmächtig auf ſein Roß niederbeugend, flog er dem Thore zu.

Durch den Lärm und die Schüſſe war die Wache aufgeſchreckt worden. Noch einen kur⸗ zen heftigen Kampf hatte Colletta mit derſelben zu beſtehen. Dann lag die Stadt hinter ihm.

Das Unwetter hatte nachgelaſſen, aber noch heulte der Wind durch die zerklüfteten Felſen. Bis auf den Tod ermattet, beugte ſich Colletta über Antonio hinweg auf den Hals des ermü⸗ deten Roſſes. Schlaff hing der rechte Arm, in dem das blutige Schwert ſchlotterte, auf die Erde herab. Zu denken vermochte Colletta nicht, nur eins war ihm klar, daß er nicht zur neapolita⸗ niſchen Armee zurückkonnte.

Unwillkürlich ſtand das müde Roß ſtill. Col⸗ letta verſuchte ſich in die Höhe zu richten; ſeine Wunden brannten wie Feuer; vom Schmerz überwältigt ſank er in ſeine vorige Lage zurück und ſuchte ſich über die Gegend zu orientiren, in der er ſich befand, um langſam das ſteinerne Kreuz zu erreichen, bei dem ihn Caraffa erwar⸗ ten ſollte.

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Auch Antonio fiel ihm jetzt ein, der leblos vor ihm über den Rücken des Pferdes hing. Langſam fühlte er mit der Linken nach dem Herzen des Freundes. Noch fühlte er ein leiſes Klopfen, aber die Augen Antonio's waren faſt geſchloſſen.

Colletta ſchnallte mit der größten Anſtren⸗ gung ſeiner Kräfte den Mantelſack los und be⸗ feſtigte ihn unter dem Haupte Antonio's das bis jetzt bleich und blutig an der Seite des Pfer- des hinuntergehangen hatte. Als Colletta den Freund ſoweit aufgerichtet hatte, das ſeine Stel⸗ lung eine mehr ſitzende war, ſchlug dieſer die Augen auf, aber nur, um ſie im nächſten Augen⸗ blick ſchmerzlich ſtöhnend wieder zu ſchließen.

Auch Colletta ſank in ſeine gebückte Stel⸗ lung zurück.

In dieſem Augenblick fiel ein Schuß und die Kugel ſauſte dicht bei Colletta vorbei ins Ge⸗ büſch. Das Pferd fuhr auf, und ſchüttelte ſich.

Der Mond brach durch die pfeilſchnell dahin fliegenden Wolken. Colletta richtete ſich auf und blickte hinter ſich. Er war kaum zweihundert Schritt vom Thore entfernt. Man hatte ihn bemerkt.

Verdammte Beſtie! hörte er den Offi⸗

zier am Thore fluchen, warum feuerſt Du Dein Gewehr los? Die Reiter hätten ihn ſonſt in der nächſten Minute erwiſcht. Doch auch ſo wird er uns nicht entgehen, der Jakobiner!

Colletta ahnte, daß dieſe Kugel ihn hatte benachrichtigen ſollen. Unter der Wache am Thore hatte er einen alten Bekannten erblickt; dieſer wollte dem Freunde ein Zeichen geben, daß die Reiter ihm auf der Ferſe ſeien.

Der Sturmwind, den Colletta jetzt vor ſich hatte, ließ ein Augenblick nach. In der Ferne hörte er das Galoppiren einer Schwadron, welche die Straße vom Kaſtell nach dem Thore herunterraſſelte.

Colletta's Lebensmuth erwachte. Er drückte dem Pferde aufs Neue die Sporen in die Sei⸗ ten. Aber der gute Renner war ermüdet, viel⸗ leicht auch verwundet. Er flog nicht mit der früheren Geſchwindigkeit vorwärts.

Schon ſprengten die Reiter durch's Thor; Colletta hörte ihre Flüche und Verwünſchungen. Wilder ſpornte er ſein Roß, es anfeuernd zum