Jahrgang 
1 (1851)
Einzelbild herunterladen

*

der letzten Schildwache aus dem Geſicht wa⸗

wir von außen den Sturm beginnen. Ihr müßt nach Neapel, Freunde! Ihr müßt ſie warnen und aufrütteln. Ihr müßt Waffen in Bereit⸗ ſchaft halten, und Euch vor der Wuth des Pö⸗ bels hüten; denn wenn der König geflohen iſt, werden die Lazzaronibanden zu ſengen und zu brennen anfangen; ſie werden die Jakobiner, wie ſie uns nennen, bei lebendigem Leibe zer⸗ reißen. Alſo auf, Freunde! werft Euch auf die Roſſe, fliegt nach Neapel, ſagt den Republika⸗ nern, daß ſie ſich hüten, und daß ſie jede Mi⸗ nute gerüſtet ſein ſollen! Vorwärts, Vorwärts!

An langes Hin- und Herreden war nicht zu denken. Caraffa trieb zur höchſten Eile an.

Haſt Du Soldaten in der Naͤhe? rief Colletta davoneilend.

Ja, funfzig Mann, Ueberfall zu ſchützen.

Nun, ſo warte, Caraffa, bis wir wieder⸗ kommen. Links vom Lager, bei dem ſteinernen Kreuz, erwarten wir Dich. Aber ſei wachſam, Caraffa, mir ahnt ein Unglück. Halte Deine Soldaten zuſammen, laßt die Gewehre nicht naß werden! Hörſt Du?

Ja, ja! wie Du willſſt, nur eilt!

Caraffa verſchwand im Gebüſch. Die bei⸗ den Freunde eilten dem Lager zu, und warfen ſich auf die Roſſe.

Wohin, mein junger Freund? rief der Kommandeur, der eben aus ſeiner Barakke trat, um nachzuſehen, ob der Sturmwind kein Unheil angerichtet habe.

Es ſcheint uns nicht richtig zu ſein, Ca⸗ pitano! antwortete Colletta. Das Wetter iſt wie zum Ueberfall gemacht. Wir wollen nach⸗ ſehen, ob die Luft um uns rein iſt; ich traue den Franzoſen nicht, ſie ſtehn uns zu nah!

Bray! Brav, mein Freund! Aber wollt Ihr keine Bedeckung mitnehmen? die Franzoſen könnten Euch abfangen.

Nein, Capitano! Wir reiten nicht weit, und das Wetter iſt zu ſchlecht. Die armen Leute wollen auch Ruhe haben.

Obgleich den beiden Freunden das Herz vor Ungeduld pochte, ritten ſie dennoch im lang⸗ ſamen Schritt zum Lager hinaus. Erſt als ſie

um mich vor einem

11

ren, wandten ſie haſtig ihre Roſſe nach Nea⸗ pel zu.

Es war ein fürchterliches Wetter. Der Re⸗ gen ſtuͤrzte in Strömen, der Sturmwind peitſchte Baum und Geſträuch; vom Regen losgeriſſene Felsſtücke ſtürzten uberall hernieder. Doch zum Glück war ihnen der Sturmwind nicht entgegen, ſonſt waͤre es ihnen unmöglich geweſen, noch vor Anbruch der Nacht nach Neapel zu gelan⸗ gen. So aber drückten ſie den muthigen Roſſen die Sporen in die Seiten, und flogen, ſchnell wie der Sturmwind ſelbſt, dahin.

Nach einer halben Stunde ſprengten ſie durch das Thor von Neapel, das ſo eben geſchloſſen werden ſollte.

Holla! Woher? Wohin? rief der wacht⸗ habende Offizier.

Aus dem Lager! Wir holen Succurs; wir fürchten einen Ueberfall!

Obgleich die ſiebente Stunde noch nicht ge⸗ ſchlagen hatte, war es doch dunkel und leer in den Straßen Neapels. Niemand wagte ſich in dem gräßlichen Wetter vor die Thuͤr hinaus, aus Furcht, von den herabgeriſſenen Dachziegeln erſchlagen zu werden. Pfeilſchnell galloppirten die Freunde nach der Wohnung Mario Paga⸗ no's, des Hauptes der Republikaner von Neapel.

Verwundert öffnete ihnen der ehrwürdige Greis, einer der gelehrteſten Leute ſeiner Zeit, ein begeiſterter Anhänger der jungen Freiheit, die Thür.

In wenigen Minuten hatten ſie ihm den Zweck ihrer Sendung mitgetheilt. Dann ſpran⸗ gen ſie Beide, von demſelben Gefühle getrie⸗ ben, von ihren Sitzen auf.

Nach der Strada di Chiaja! zu Luigia!

In demſelben Augenblick öffnete die Diene⸗ rin Pagano's ſchreiend die Thür.

Heilige Madonna, hilf mir Sünderin! rief ſie entſetzt aus. Denkt Euch, Excellenza, eben haben ſie die ſchöne Luigia, die Sanfelice und die gelehrte Donna Eleonora aus der Strada di Chiaja fortgeſchleppt. Der Anſelmo kommt vom Kaſtell, er hat ſie erkaum, ſagt er. Auch der alte Herr iſt dabei, meint er.

Todtenbleich, wie vom Blitz getroffen, ſtan⸗ den Antonio und Colletta da. Der alte Pa⸗