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Mir iſt ſehr unruhig, Freund! ſagte Anto⸗ nio. Mir iſt, als kralle ſich eine Fauſt um mein Herz und ſuche es aus der Bruſt zu rei⸗ ßen. Mir brennt der Boden unter den Füßen. Ueberall, wo ich hinſehe, blickt die Teufels⸗ fratze des Federigo mich an. Ich wollte, wir wären wieder in Neapel. Ich halte es hier nicht aus.
— Mir iſt nicht anders! antwortete Colletta mit bewegter Stimme. Auch mir iſt als müßte ein Unglück geſchehen! Doch iſt es vielleicht nur die Unruhe, und die Langeweile, die uns ängſt⸗ lich macht! fügte er, ſich ſelbſt beſchwichtigend hinzu. Er durfte dem Freunde nicht verrathen, daß auch ihm Luigia's Bild ängſtlich und hülfe⸗ flehend vor Augen ſchwebte, und daß er gern nach Neapel geeilt wäre, um ſich über das Schickſal der wunderlieblichen Jungfrau Gewiß⸗ heit zu verſchaffen.
Hier in der Einſamkeit, fern von den bei⸗ den Frauen, war es für Colletta zur Gewißheit geworden, daß nicht Eleonora, daß Luigia es war, der ſein Herz gehörte. Aber er hatte ſich gelobt, ewig zu ſchweigen. Er wollte nicht ein⸗ greifen in das Glück ſeines Freundes; er wollte auch Eleonora nicht verletzen, deren leidenſchaft⸗ liche Liebe zu ihm er kannte, und die zu beſitzen er ſich glücklich geſchätzt haben würde, wenn er Luigia nicht geſehen hätte. Er gelobte ſich, der Neigung ſeines Herzens zu entſagen, und mit Eleonora vereint für das Wohl des Vaterlan⸗ des zu wirken.
In Gedanken verſunken ſtanden ſie da. Der ſchöne Tag hatte einen ſchönen Abend verſpro⸗ chen. Aber plötzlich, wie es im Süden der Fall iſt, ſchoſſen hinter dem Veſuv ſchwarze Wolken hervor, Blitze zuckten, und der feuer⸗ ſpeiende Rieſe ſelbſt fing an ſeine dröhnende Stimme zu erheben. Es wurde dunkler und dunkler; die beiden Freunde wandten ſich raſch dem Lager zu.
— Pietro! Pietro Colletta! rief plötzlich eine Stimme hinter ihnen.
Beide drehten ſich um. Es war Niemand ſichtbar. Der Wind heulte durch das Gebüſch.
— Was iſt das, Antonio? ſagte Colletta. Die Stimme iſt mir bekannt, aber ich habe ſie
lange nicht gehört. innern?
Ehe Antonio antworten konnte, ertönte die⸗ ſelbe Stimme von Neuem.
— Pietro Colletta! Antonio Ferri! Iſt Nie⸗ mand bei Euch?
— Das iſt Caraffa's Stimmel rief Colletta mit freudeblitzenden Augen. Caraffa! rief er dann leiſer ins Gebüſch hinein, wo biſt Du! Wir ſind allein.
Ein großer, kräftiger junger Mann ſprang hinter dem Gebüſch hervor, und fiel den Freun⸗ den in die Arme. Sein dunkles Haar flatterte im Sturme, ſein Geſicht war von den ſcharfen Zweigen der Büſche zerriſſen. An den blitzen⸗ den Augen, an der kühnen Wölbung der Naſe konnte man augenblicklich den Neapolitaner er⸗ kennen.
— Ja, ich bin's, ich bin Ettore Caraffa, Euer Freund! Dank, Dank der Madonna, daß ich Euch hier treffe, und gerade Euch? Be⸗ ſtürmt mich nicht mit Fragen, ich habe keine Zeit. Ich komme von den Franzoſen, in ihren Reihen kämpfe ich für die Rückkehr in mein Vaterland, aus dem ich geflohen, damals, als man mich wie den Vitaliano und Galiano auf's Blutgerüſt ſchleppen wollte.
Freunde! ich komme direkt vom General Championnet. Er hat mich bis an Euer Lager geſchickt, damit ich einen Freund für einen höchſt wichtigen Auftrag ausſpahen ſolle. Colletta, Du mußt zurück nach Neapel, oder auch Du, Antonio! Ihr müßt eilen auf den Flügeln des Sturmwinds, der durch die Gebüſche brauſt. Championnet hat erfahren, daß der Tyrann und ſein Hof nach Palermo fliehen wollen. Wir ſtehen mit den Freunden der Freiheit Neapels in Verbindung; Pagano, Cirillo wiſſen um un⸗ ſeren Plan. Ihr müßt nach Neapel eilen, und ihnen ſagen, daß ſie all' ihre Kraft zuſammen nehmen, und ſich zur offenen Empörung rü⸗ ſten ſollen. Morgen flieht der König; wäh⸗ rend der Verwirrung, in den nächſten Tagen, wird Championnet angreifen. Die Republikaner in Neapel müſſen jeden Augenblick gerüſtet ſein, um auf den tyranniſch-geſinnten Pöbel, dieſe vermaledeiten Lazzaroni, loszuſchlagen, wenn
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