wäre ein Meiſterſtück für Euch, das wäre ein Labſal für Eure gottesfürchtige Seele!
— Obol rief der Pater, Ihr ſeid ja ein würdiger Sohn Eures Vaters! Habt Ihr einen Fang ausgewittert? Aber ſchnell müßt Ihr ma⸗ chen, denn der König flieht nächſter Tage und der Kardinal mit ihm. Wenn die Jakobiner hier ſind, die Rotte Korah, dann dürfte es zu ſpät ſein.
— Bei der Madonna, Pater Ignazio, da thut Eile noth, rief der Jüngling erſchreckt. Aber es muß gehn, Freund! Wir müſſen ſie fangen. Ha, wie der Ferri, wie der Colletta
ſchäumen werden. Haha, ich weiß es wohl, auch
der Colletta iſt in ſie vergafft, der hochmüthige Burſche, obgleich er thun muß, als wäre die bleichſüchtige Eleonora ſein einziger Gedanke! Ich kenne ihn!
— Ferri? Colletta? ſchmunzelte der Pater mit teufliſchem Lächeln. Habt Ihr ſie ertappt? habt Ihr verrätheriſche Indicien? Können wir ſie knebeln? O, das wäre ein göttlicher Genuß, wenn ich dieſe beiden Schandbuben im tiefſten Kerker heulen hören könnte!
— Nein, faſſen können wir ſie nicht, aber
das Herz wollen wir ihnen zerreißen! Heulen
ſollen ſie, wie die Wölfe! Es handelt ſich um Anderes! Nichts für ungut, Pater, aber ich kann nichts wider mein Herz, ich habe neapoli⸗
—taniſche Luft in mich geſogen! Ich weiß, Ihr
wollt, daß ich Eure Nichte heirathen ſoll. Es geht nicht, Pater, ich kann nicht, Ihr dürft es mir nicht übel nehmen! Hier die Luigia, die Luigia Sanfelice, die Braut des Ferri, muß mein ſein, mein, und wenn ich ſie mit den Fäu⸗ ſten aus den Armen des Jakobiners reißen ſollte! Helft mir, Pater, ich verſchreibe Euch meine Seele, helft mir! Denkt Euch die Ver⸗ zweiflung des Ferri, des Colletta, die in ſie ver⸗ narrt ſind! Helft mir, das iſt ein Stück Arbeit für Euch! Nachher macht mit mir was Ihr wollt! Aber mein muß ſie ſein!
Pater Ignazio hörte den Worten des Ra⸗ ſenden ruhig zu. Ein Zug teufliſcher Bosheit ſpielte um ſeine Lippen. In einem Augenblicke überlegte er die Vortheile des Anerbietens. Beim heiligen Januarius, murmelte er vor ſich
hin, während Federigo fort fuhr, ihn mit lei⸗ denſchaftlichen Bitten zu beſtürmen, das wäre der Todesſtreich für die Hunde, den Antonio und den Colletta! Verrückt ſollten ſie werden vor Wuth. Und die Luigia? die Jakobinerin? Haben ſoll er ſie, der ſchweizeriſche Tölpel, haben auf wenige Stunden, die ihm nichts fruchten werden! Das iſt ein zu feiner Biſſen für Dich, Du fremder Bauerlüͤmmel, das iſt ein Biſſen für den Kardinal! O, ich weiß, der Kardinal kennt ſie und hat ein Auge auf ſie geworfen! Wir ſchicken das Pärchen nach Palermo, wir reiſen nach, wir machen den Krämerjungen mit einigen Zoll ſicilianiſchen Stahls bekannt, und — der Kardinal wird nicht unerkenntlich ſein, was ſein iſt, gehört auch mir. Ueberdies waſchen wir unſere Hände in Unſchuld——
— Toppl rief er laut, ſchlagt ein, junger Freund! Die Sache iſt abgemacht! Noch heut iſt Luigia Euer! Aber dann zähle ich auf Euch und das Geld Eures Vaters! Wehe Euch, wenn Ihr je der Krone und der Kirche untreu wer⸗ det! Topp! Luigia iſt Euer, wenn Ihr uns ge⸗ hört!
— Mit Leib und Leben! rief Federigo, wild in die dargebotene Hand des Paters einſchlagend. Aber ſchnell, ſchnell! Die Stunden fliehen und jeden Augenblick kann der Ferri zurück ſein! Wundert's mich doch ſchon, daß er es ſo lange ohne ſein Täubchen ausgehalten. Haha! der wird lachen, wenn er den Käfig leer findet!!
— Heut noch iſt ſie Euer! ſagte ruhig der Pater. Haltet Euch bereit! In einer halben Stunde ſende ich Euch die Häſcher und den Verhaftsbefehl für die Familie Sanfelice, für das ganze Neſt. Die Eleonora, wenn ſie da iſt, könnt Ihr auch noch mitſchleppen, ſchadet nicht; ſie iſt abhanden gekommen! Iſt uns ſo zur Laſt, die verruͤckte Schwärmerin! Alſo Muth! Ich gehe zum Kardinal!
Ihn umarmend geleitete ihn Federigo froh⸗ lockend zur Thür hinaus—————
Während der Zeit waren Antonio und Col⸗ letta Arm in Arm die Front des kleinen La⸗ gers hinabgewandelz. reits zu Ende.
Der Tag neigte ſich be⸗


