Jahrgang 
1 (1851)
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von ihnen erobert und der Papſt verjagt wor⸗ den. Auch gegen Neapel wendeten ſich die fran⸗ zöſiſchen Kolonnen, denn aufgeſtachelt von den Engländern und unterſtützt von den Oeſterreichern und Ruſſen, hatte König Ferdinand den Fran⸗ zoſen den Krieg erklärt, eine zahlreiche Armee verſammelt, und verſprochen, er werde binnen wenigen Tagen Rom wieder erobert und das Oberhaupt der Chriſtenheit wieder auf den Thron geſetzt haben.

Die übermüthige Verheißung ging wirklich in Erfüllung. Die Franzoſen im Kirchenſtaate unter dem Kommando des Generals Champion⸗ net waren nur ſchwach und wurden von den ſechzig Tauſend Neapolitanern zurückgeſchlagen. Doch nach wenigen Tagen wendete ſich das Kriegsglück. Die Verſtärkungen der Franzoſen langten an, König Ferdinand mußte verkleidet aus Rom nach Neapel zurückfliehen, die Fran⸗ zoſen unter Championnet folgten ihm auf dem Fuße. Bald hatten ſie die Gränze von Neapel überſchritten, eine Feſtung nach der anderen fiel in ihre Hände.

Der Hof war in der größten Beſtürzung. Die Freunde der Freiheit jubelten in ihrem innerſten Herzen den nahenden Befreiern ent⸗ gegen.

Antonio und Colletta hatten die Waffen ge⸗ gen die Franzoſen ergreifen müſſen, ihr Schick⸗ ſal verwünſchend, das ſie zwang, gegen einen Feind zu fechten, dem ſie am liebſten die Thore des ganzen Landes geöffnet hätten. Auch ſie hatten fliehen müſſen und ſtanden jetzt mit einem kleinen Armeecorps dicht vor Neapel, faſt ge⸗ ſchützt durch die Kanonen der Kaſtelle. Obgleich ſo nahe der Stadt, durften ſie dennoch ihren Poſten nicht verlaſſen, denn die Regierung hielt Alle von der Hauptſtadt fern, die als Freunde der Freiheit bekannt waren und von denen ſie eine Schilderhebung zu Gunſten der Franzoſen fürchtete. Namentlich für Antonio war dieſe Entfernung furchtbar. Er wußte ſeine Luigia allein zurückgelaſſen, ohne Schutz vor den Plä⸗ nen Federigo's, der ſich dem Kriegsdienſte zu entziehen gewußt hatte. Eine peinliche Unruhe über das Schickſal ſeiner Geliebten quälte ihn, und auch Pietro Colletta war beſorgt, beſorgt

für Eleonora und mehr noch, wie er ſich wider⸗ ſtrebend eingeſtehen mußte, für Luigia.

Ihre Beſorgniß war nicht ungegründet. Mit der Entfernung Antonio's und Pietro's war Federigo's Benehmen gegen Luigia täglich lei⸗ denſchaftlicher und ungeſtümer geworden. Jetzt nahten die Franzoſen, die Flucht der königlichen Familie, der Einzug des franzöſiſchen Generals, die Rückkehr Antonio's ſtand bevor. Er wußte, daß die Verbindung der Liebenden bevorſtand, daß ſie vollzogen werden würde, ſobald der Kampf vorüber und das Land vom Druck der Tyrannei befreit wäre. Jede Hoffnung war dann für ihn verloren. Wenn er ſeinen Zweck erreichen, wenn Luigia durch Gewalt oder Liſt ſein werden ſollte, dann mußte er ſchleunig han⸗ deln. Aber die Leidenſchaft umnebelte ſeinen Verſtand und ließ ihn kein anderes Mittel fin⸗ den, als offenen Raub, offene Gewalt, die in⸗ deſſen, weil Luigia das väterliche Haus faſt nie verließ, faſt unmöglich war.

Die geballten Fäuſte vor die Stirn gedrückt, mit wild funkelnden Augen ſaß er unruhig brü⸗

tend in ſeinem Zimmer, als der Pater Ignazio,

ein Freund ſeines Vaters, der pfiffigſte unter den Helfershelfern des Kardinals Ruffo, zu ihm trat.

Nun, Federigo, was habt Ihr? rief er verwundert, als er den Jüngling mit wilder Miene aufſpringen ſah. Was macht Ihr für ein verteufeltes Geſicht? Ihr ſeht ja aus, als ob Ihr die ganze franzöſiſche Armee wieder nach Rom zurückjagen wolltet! Oder reut es Euch, daß Ihr nicht mit hinausgezogen ſeid, und denkt Ihr, daß der General Championnet, den Gott verdammen möge, vor Euren wüthenden Augen das Haſenpanier ergriffen hätte? Ja, ja, guter Freund! jetzt iſt es zu ſpät! das iſt eine fatale Geſchichte!

Ach was! antwortete Federigo, ihn arger⸗ lich anblickend. Zum Henker mit der franzöſi⸗ ſchen Armee, mag ſie auf den Abruzzen oder auf dem Toledo bivouakiren! Ich ſcheere mich wenig um die Franzoſen. Aber, beim heiligen Januarius, unſerm Patron, es iſt gut, daß Ihr kommt, Pater Ignazio! Den Teufel, daß ich auch nicht früher an Euch gedacht habe, das

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