Jahrgang 
1 (1851)
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gegen dis brennenden Lunten um ſich her, um nicht von der Menge erdrückt zu werden.

Flieht! Rettet Euch! rief ein vorüber⸗ ſtürzender Lazzarone den Frauen und ihren Begleitern zu. Vierzig Tauſend Jakobiner(ſo nannte man die Freunde der Freiheit in Nea⸗ pel) ſind herbeigeeilt, um die Verbrecher zu be⸗ freien. Flieht, Flieht! Im nächſten Augenblick werden die Kanonen vom Kaſtell herab auf den Platz herniederdonnern! Flieht, ſonſt ſeid Ihr verloren!

Dem war nicht ſo. Der furchtſame König hatte allerdings einen Volksaufſtand erwartet, und die Kanonen auf dem Kaſtell waren gela⸗ den und nach dem Platze gerichtet worden. Die Bewegung war indeſſen durch einen zufälligen Tumult entſtanden; es war kein Verſuch ge⸗ macht worden, die Unglücklichen zu befreien. Dennoch glaubte das Volk an das ſich mit Blitzesſchnelle verbreitende Gerücht. Jeder ſuchte ſich voll Todesangſt vor dem Kartätſchenhagel, der wie man glaubte, auf den Platz hernieder⸗ hageln würde, zu retten. Fürchterlich klang das Geſchrei der Geangſteten, das Geheul der Nie⸗ dergetretenen und Verwundeten durch die Luft.

Federigo Baker eilte ſchreiend mit entſetzter

Miene davon. Luigia ſank ohnmächtig aus den

Armen ihrer Freundin zu Boden. Antonio Ferri, der Eine ihrer beiden anderen Gefähr⸗ ten, nahm die Ohnmächtige in ſeine Arme und ſuchte mit ihr die Wohnung ihrer Eltern in der Strada di Chiaja zu erreichen.

Nur Eleonora und der dritte ihrer Gefähr⸗ ten, Pietro Colletta, blieben düſter auf ihrer Stelle. Im nächſten Augenblicke war der un⸗ geheure Platz leer. Hier und da hob ſich einer der Verwundeten jammernd in die Höhe. Ein⸗ ſam inmitten des leeren Platzes verrichteten die Henker ihr blutiges Geſchäft an den drei Jüng⸗ ingen. Dann zogen die Häſcher davon, die

Kanonen raſſelten nach den Kaſernen. 1

In düſterem Schweigen begleitete Pietro Colletta die tief niedergebeugte Eleonora nach ihrer Wohnung.

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II.

Antonio Ferri, der die ohnmächtige Luigia auf ſeinen Armen nach dem väterlichen Hauſe getragen hatte, war ein Jüngling aus einer der angeſehenſten Familien Neapels. Er zählte da⸗ mals erſt achtzehn Jahr, war aber wie die ganze Jugend Neapels, ſchon damals begeiſtert für die erhabenen Grundſätze der franzöſiſchen Re⸗ volution und harrte mit ſeinen Genoſſen unge⸗ duldig des Augenblickes, der auch dem Süden Italiens die Freiheit bringen ſollte. Die Fa⸗ milien der Sanfelice und der Ferri ſtanden im

freundſchaftlichſten Verhältniſſe; Luigia und An⸗

tonio waren von ihrer früheſten Jugend an faſt als Verlobte betrachtet worden. Auch Luigia fühlte, je mehr ſie heranwuchs, eine wachſende Zuneigung zu ihrem Jugendgeſpielen, deſſen

Charakter ächt neapolitaniſch, leichtſinnig, keck, verwegen, in Gefahren kühn und aufopferungs⸗

fahig war. Luigia wurde von Antonio mit der ganzen Gluth ſüdlicher Leidenſchaft geliebt. An⸗ tonio wußte, daß Luigia die Perle von Neapel werden würde, er wußte, daß ihm Jeder ſein ſicheres Glück beneidete denn die ſpätere Verbindung Beider galt für eine ausgemachte Sache der die holde Knospe, die als Blume ſein eigen werden ſollte, geſeben hatte. Luigia, auch als ſie ſich zur Jungfrau entwickelte, blieb ſanft und ſtill. Sie fühlte zu ihrem Verlobten jene herzliche Zuneigung, welche die Folge eines langen Zuſammenlebens, einer dauernden Freundſchaft iſt. Sie weilte gern in ſeiner Nähe, aber leidenſchaftliche Liebe zu ihm war ihr fremd. Antonio wußte das auch, er be⸗ trachtete ſie indeſſen als ſein ſicheres Eigenthum, und kannte Luigia's offenen Charakter zu gut, als daß er das Geringſte für ſeine Liebe ge⸗ fürchtet hätte.

Gerade umgekehrt war es mit Pietro Col⸗

letta, dem Freunde Antonio's und der Freundin Luigia's; Pietro Colletta war zur Zeit jener traurigen Hinrichtung, die oben erwähnt wor⸗ den, neunzehn Jahr alt, Eleonora nur um We⸗ niges jünger. Pietro war ein vollendet ſchoͤner Jüngling, der zu einem der ſchönſten Männer, die Italien je geſehen, heranreifte. An Adel

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