heit! ſagte Eleonora mit lauter, aber vor Be⸗
wegung zitternder Stimme. Aller Augen wen⸗ deten ſich auf den Zug, der ſo eben durch die ſich lichtenden Reihen des Volkes die Toledo⸗ ſtraße heraufkam.
Luigia und Eleonora mit ihren Gefährten ſtanden dicht an der Ecke. Der Zug mußte un⸗ mittelbar an ihnen vorüberſchreiten. Von ihrem erhöhten Platze aus konnten ſie über die be⸗ waffnete Eskorte hinweg die Jünglinge ſelbſt er⸗ blicken.
Ein unruhiges Murmeln lief durch das Volk. Die Fäuſte ballten ſich, die Augen blickten dro⸗ hend auf die Häſcher, Verwünſchungen liefen von Mund zu Mund.
Im nachſten Augenblicke wurden die Opfer des Todes ſichtbar.
— Vincenzo Vitaliano! Emanuel de Deo! Vincenzo Galiano!!!— rief Luigia mit dem Ausdruck des höchſten Schmerzes und der Ueber⸗ raſchung, als ſie drei der wertheſten Freunde ihrer Familie inmitten der Häſcher auf dem To⸗ desgange erblickte; dann verbarg ſie ihre Thrä⸗ nen an der Bruſt Eleonorens, welche das ſchmerzerfüllte Kind ſanft ſchützend in ihre Arme ſchloß.
Die drei Genannten ſchritten ſtolz und auf⸗ recht daher. Es waren drei jugendlich ſchöne Geſtalten. Vincenzo Vitaliano, der Aelteſte, zwei und zwanzig Jahr alt, ſchritt in der Mitte und hatte ſeine Arme leicht um die Schultern ſeiner beiden Todesgenoſſen geſchlungen, von denen Emanuel de Deo erſt zwanzig, Vincenzo Galiano kaum neunzehn Jahre zählte. Alle drei trugen den Kopf ſtolz und unerſchrocken in die Höhe gerichtet. Wie Helden bei ihrem Triumph⸗ zuge ragten ſie kühn und ſelbſtbewußt über die gebuͤckte Schaar der ſie begleitenden Söldlinge empbt.
Ein Ruf des Beifalls durchlief die unab⸗ ſehbapen Reihen des verſammelten Volkes.
Sii hatte die Namen der drei Jünglinge ſo laut gerufen, daß dieſe den Klang der hel⸗ len Stimme vernehmen mußten. Unwillkürlich richteten ſie die Blicke auf die Gruppe der bei⸗ den Jungfrauen und ihrer Gefährten. Als ſie die truͤben ſtummen Mienen ihrer Jugendfreunde,
die ſchmerzlich bewegte, aber hoch aufgerichtete Geſtalt der ſchönen Eleonore und die an Eleo⸗ norens Bruſt geſunkene blaſſe Luigia bemerkten, flog ein wehmüthiges Lacheln über die ſtolzen Züge der drei Märtyrer. Ueber Vitaliano's ſchönes, offenes Antlitz zuckte ein augenblicklicher heißer Schmerz: Eleonore war ihm nicht gleich⸗ gültig geweſen.
Mit einer ſtummen Beugung des Kopfes grüßten ſie weiterſchreitend die traurige Gruppe.
Eleonore aber zog aus den Falten ihres Gewandes einen friſchen, grünenden Lorbeerkranz und warf ihn den Jünglingen zu. Vitaliano fing ihn mit erhobenem Arme auf und drückte ihn auf's Haupt, während ein Strahl der Verklä⸗ rung über ſein blaßgewordenes Antlitz fuhr.
— Lebt wohl, Donna Eleonoral rief er. Lebt wohl, meine Freunde! Es lebe die Frei⸗ heit!—
Eleonora drückte die Hand vor die naſſen Augen; Luigia's Schluchzen tönte durch die Todtenſtille, die nur durch den abgemeſſenen Schritt der Eskorte unterbrochen wurde. Die Männer rings umher beugten das Haupt, und murmelten, die Hände ballend, leiſe Verwün⸗ ſchungen.
Der Zug bewegte ſich dem erhöhten Schaf⸗ fot zu. Hinter ihm ſchloß die Menge wieder den durchbrochenen Kreis. Nur die hochaufge⸗ gerichteten Geſtalten der drei Jünglinge blieben ſichtbar.
— Laß uns gehen! Komm nach Hauſe! flüſterte Luigia faſt ohnmächtig in den Armen ihrer Freundin. Eleonora, von Schmerz über⸗ wältigt hörte nicht auf die Worte Luigia's.
In dieſem Augenblicke entſtand eine dumpfe Bewegung im Volke. Die Menge drangte ſich vom Platze nach der Toledoſtraße zu. Verwirr⸗ tes Geſchrei, ängſtliches Rufen wurde hörbar.
Im Augenblicke waren die Reihen der Kanoniere
durchbrochen, in wilder Flucht wälzte ſich die Menge dem Toledo zu. Ein entſetzliches Ge⸗ dränge entſtand, ein unentwirrbarer Knäuel ballte ſich an dem Ausgange der Straße zu⸗ ſammen. Die Schwächeren wurden zu Boden geriſſen, die Stärkeren ſuchten ſich mit den Fäu⸗ ſten Luft zu verſchaffen. Die Kanoniere ſchwan⸗
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