Jahrgang 
1 (1851)
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ihrer Seele und die Reinheit ihres Charakters. O, meine ſüße Luigia, Du unſchuldsvolles Kind, Du wirſt es nicht begreifen, warum dieſe Jüng⸗ linge hier ſterben ſollen, Du wirſt mir nicht glauben, was ich Dir ſage! Du weißt es noch nicht, Du ahnſt es noch nicht einmal, wie grau⸗ ſam die Menſchen ſind! Ich will Dir die Ge⸗ ſchichte der drei Jünglinge, die Du ſterben ſehen ſollſt, erzählen, aber kurz, denn ganz würdeſt Du mich doch nicht verſtehen. Du weißt es, ich habe es Dir erzählt, daß in Frankreich, dem Lande drüben hinter dem blauen Golf, ein ſchwacher König regierte, der dem Adel und den Prieſtern nicht wehren konnte, ſo daß das unglückliche Volk, ſchon verarmt durch die Aus⸗ ſchweifungen der frühern Könige, in gänzliches Elend und bejammernswerthe Noth gerieth. Du weißt, daß dieſes arme Volk, bis zum Aeußer⸗ ſten getrieben, ſich endlich empört, den Adel ver⸗ trieben, die Pfaffen abgeſchafft, den König, der das Land ſo ſchlecht verwaltet, des Thrones für verluſtig erklärt hat. Ganz Europa hat die⸗ ſen Thaten entgegengejubelt, überall hofft man auf eine beſſere Zukunft für die Menſchheit, überall erzählen ſich die Weiſen und die Jüng⸗ linge die Heldenthaten und die großherzigen Worte jener Männer Frankreichs. Hältſt Du es für eine Sünde, dem ruchloſen Treiben eines verderbten Adel- und Pfaffenthums ein Ende zu machen? Hältſt Du es für verrätheriſch, mit jenen Leuten in Verbindung zu treten, deren Worte und Thaten für ewig in den Tafeln der Weltgeſchichte verzeichnet ſind? Jene drei Jüng⸗ linge haben nichts Anderes gethan. Sie ge⸗ hörten zu der Akademie von Pauſilipp, dieſem Tugendbunde, den die Jugend Neapels geſtiftet, um ſich über die neuen, erhabenen Lehren der Menſchheit zu unterrichten und auszuſprechen, zu dieſem Bunde, der die beſten Männer Nea⸗ pels zu ſeinen Mitgliedern zählte. 8 iſt die

Verſchwörung, die Verrätherei, von welcher der

kluge Federigo ſpricht! Und nun will ich Dir ſagen, warum gerade dieſe drei Jünglinge ſter⸗ ben ſollen. In Frankreich hat die Verſamm⸗ lung der Volksvertreter eine Erklärung erlaſſen, die Erklärung der Menſchenrechte nennt man ſie dort. Sie ſoll die Welt bekannt machen mit

all den angebornen und unveräußerlichen Rech⸗ ten des Menſchen, die ihm bisher durch die Schlauheit oder Grauſamkeit der Machthaber entzogen oder verſtümmelt worden ſind. Dieſe Erklarung der Menſchenrechte iſt durch die Aka demie von Pauſilipp in's Italieniſche überſetzt, gedruckt und verbreitet worden. Denke Dir das Verbrechen! Ja, man hat ſogar der Königin Karoline ein Exemplar auf ihren Nipptiſch ge⸗ legt, nun, Du kannſt Dir vorſtellen, wie die ſtolze Habsburgerin gewüthet hat! Dieſe drei Jünglinge ſind verurtheilt wegen ihres Muthes, wegen ihrer Aufopferung für ihre Glaubens⸗ brüder. Als die Akademie ſich verrathen glaubte, haben ſie es gewagt, bei Nacht durch Neapel zu ſchleichen und als Mehlhändler verkleidet einige Sacke mit den noch vorhandenen Exem⸗ plaren jener Erklärung der Menſchenrechte ins Meer zu werfen! Das iſt ihr ganzes Verbre⸗ chen! Deshalb werden ſie heut auf das Blut⸗ gerüſt ſteigen.

Deshalb ſollen ſie ſterben? fragte halb entſetzt, halb zweifelnd Luigia, welche den Wor⸗ ten Eleonorens mit Theilnahme und Aufmerk⸗ ſamkeit gelauſcht hatte, deren kindliches Gemüͤth indeſſen die Gedanken ihrer alteren Freundin nur halb zu faſſen vermochte.

Ja, deshalb ſollen ſie ſterben! fuhr Eleo⸗ nore leidenſchaftlicher fort, indem ihr die Thrä⸗ nen auf's Neue in's Auge traten. O dieſe ed⸗ len Jünglinge! Sie ſterben freudig für ihren neuen Glauben! Noch geſtern hat Einer von ihnen die ſchwerſte Probe für ein jugendliches Gemüth beſtanden. kam in den Kerker, um ſeinem Sohne die Frei⸗ heit anzukündigen, wenn er die Genoſſen des Bundes nennen wolle. Aber der Jüngling ant⸗ wortete ſeinem greiſen Vater, daß er die Ehre ſeines Hauſes nicht durch Verrath befleckenwolle, ſo daß der Vater ſich überwunden beugen mußte vor ſeinem hochherzigen Sohne.

Und wer ſind§32 fragte duis hn ebenfalls mit Thräne den Augen, waͤhrend unter dem verſammelten Volke eine ſteigende Bewegung ſich kund that und die Kanoniere am Ausgang der Toledoſtraße ihre Reihen öffneten.

Da ſind ſie ſelbſt, die Märtyrer der Frei⸗

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Sein Vater, ein Grei