Teil eines Werkes 
1. Bd. (1849)
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Auf dieſe Weiſe hatte der Decan ſeine Stellung in der kirchlichen Gemeinde erreicht. Er hatte alle die herkömmlichen Sektenphraſen ſtets in Bereitſchaft, war ſehr vorſichtig in ſeinen Aeußerungen, beſuchte das Bethaus regelmäßig, ent⸗ ſprach dem Scheine nach allen Pflichten, welche ſeine⸗ Kirche in Bezug auf die bloßen religiöſen Gebräuche vorſchrieb, war aber doch weit von jenem Zuſtande, welchen der Apoſtel Paulus trefflich mit den Worten ſchildert:„Denn Chriſtus iſt mein Leben, und Sterben iſt mein Gewinn,“ ſo weit entfernt, als wär' er ein Heide geweſen. Nicht die Liebe Gottes war in ſeinem Herzen thätig, ſondern die Selbſtliebe, und er zwängte ſeine Leidenſchaft in jene ſtrengen, täuſchenden Formen, weil er in einem Geſellſchaftszuſtande geboren und erzogen war, wo ſie einen weſentlichen Theil des Daſeins ausmachten.

Habgier war des Decans eingefleiſchte Sünde, und da dieſes Laſter ſich bei einiger Beachtung des Scheins ziemlich leicht bemänteln läßt, ſtellte es ihn weniger als jede andere Sünde dem öffentlichen Urtheile bloß. Die Nachbarn hielten ihn allerdings zuweilen für„unzugänglich,“ und man wollte behaupten, Jeder, der mit ihm zu thun habe, müſſe ſeine Intereſſen ſcharf im Auge behalten; i Ganzen aber war vielleicht eher Grund zur Beſorgniß vorhanden, daß man das Beiſpiel eines ſo guten Mannes in einer ſolchen Gemeinde ſich zum Vorbild nehmen möchte, als daß ſeine Handlungen ſeinen Charakter in ein ſchiefes Licht geſtellt oder ſein Anſehen gefährdet hätten.

Ganz anders waren Lage, Gefühle und Beweggründe der Nichte. Sie liebte Gott innig, und demzufolge alle die, welche er geſchaffen und mit denen er ſie umgeben hatte. Ihr ſanfter, edler Geiſt leitete ſie zu wahrer, ächter Gottesver⸗