Teil eines Werkes 
2. Bd. (1849)
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Ich wollte, ich hätte noch ein Jahr zu leben, nur noch ein Jahr, das heißt nicht zu viel fordern, wenn man noch nicht ſechszig Jahre zählt.

Es iſt vergeblich, armer Stephan. Die Aerzte ſagen, Ihr könntet keinen Tag mehr am Leben bleiben.

Stephan ſtöhnte, denn Vergangenheit und Zukunft traten in grellem, erſchreckendem Lichte vor ſein Gewiſſen.

Und was iſt jene Zukunft, welche uns in einer end⸗ loſen Zeit-Ausſchan glücklich oder elend machen ſoll? Beſteht ſie nicht aus einem Daſein, in welchem das Gewiſſen, aller körperlichen Täuſchungen und Schwächen baar, Alles in ſeiner wahren Farbe ſieht, Alles würdigt, und Alles ſtraft? Wenn dieß ſo iſt, dann muß ein ſolches Daſein Jeden zum ſtrengen Bewahrer der Erinnerung aller ſeiner Sünden machen. Es muß ſelbſt der gerechteſte Richter ſein, denn die Sünde ſtellt ſich mit jeder Einzeln⸗ heit, welche ſie erſchweren oder mildern kann, dem Geiſte dar. Jeder muß ſtreng nach ſeinen Gaben geſtraft werden. Da Niemand ohne Sünde iſt, macht dieß die Nothwendig⸗ keit einer Sühne unerläßlich, und fährt unmittelbar zu der Wahrheit des Gedankens der Erlöſung. Die Seele, oder das Gewiſſen, welche dieſe Sühne als nothwendig anerkennt und ihr vertraut, fühlt ihre Wirkſamkeit, wirft ihre Sündenbürde von ſich, und bleibt für immer in dem Zuſtande ihres urſprünglichen Daſein's, rein, und folglich glücklich.

Wir haben die Anmaßung nicht, in eine nähere Erör⸗ terung dieſer wichtigen, geheimnißvollen Frage eingehen zu wollen, welche für Alle ein hohes Intereſſe hat, und über welche ein ſo kleiner Theil der Menſchen viel nach⸗ denkt, oder mit einiger Klarheit denkt, wenn ſie je der

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