Teil eines Werkes 
2. Th. (1843)
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Raoul antwortete nicht. Sein Antlitz war aufwärts gewendet und ſein Auge hing noch an jenem Sterne. Ghita wollte ihn nicht ſtören, ſondern nahm ſeine Hände in die ihrigen, kniete ſich wieder hin und betete von Neuem. Eine Minute verfloß nach der andern und kei⸗ nes von Beiden ſchien geneigt zu ſprechen.

Endlich ſiegte bei Ghita das Weib wieder und ſie gedachte der körperlichen Bedürfniſſe des Leidenden. Es war Zeit, ihm die Tropfen zu reichen, welche der Arzt ihr übergeben hatte, und ſie trat hervor, ſie ſeinen Lip⸗ pen zu bieten. 3

Sein Auge war noch auf den Stern gerichtet, aber ſeine Lippen begegneten ihr nicht mit dem gewöhnlichen Lächeln der Liebe. Sie waren zuſammengepreßt, als wenn er im Begriffe wäre, ſich in das Gewirr einer Schlacht zu ſtürzen; eine Art feſter Entſchloſſenheit ruhte auf ihnen. Raoul Yoard war todt.

Die Entdeckung der Wahrheit war für Ghita ein fürchterlicher Augenblick; kein lebendes Weſen in der Nähe kannte ihre Lage, da alle in dem Schlafe der Müden lagen. Das erſte Gefühl war das, welches ihrem Geſchlechte gehörte. Sie warf ſich auf die Leiche, um⸗ ſchlang ſie wild und ließ allen jenen Gefühlen freien Lauf, welche der Geliebte ihr in ſeinen düſtern Stunden ſo oft abgeſprochen hatte. Sie küßte die Stirne, die Wangen, die bleichen ernſten Lippen des Todten und es war eine Zeitlang zu fürchten, ihre eigene Scele möchte