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„Der Sohn Gottes litt an dem Kreuze, zwiſchen zwei Dieben aufgehängt.“
„Ich glaube, es iſt weit weniger an dieſer Anſicht der Dinge, als wir gewöhnt ſind anzunehmen; doch iſt es grauſam für den Mann, der ſo hohe Aemter beglei⸗ tet hat— für einen Fürſten— einen Carraccioli, wie ein Lazzarone zu ſterben.“
„Großvater!“
„Was ſagſt du, Kind! Ich wundere mich nicht, daß dieſes unwürdige Benehmen dich mit Schauder erfüllt.“
„Es iſt nicht das, Großvater,“ ſagte Ghita, ſich ihrer Zweifel entſchlagend und mit glühenden Wangen und einem Antlitze aufblickend, das von frommen Ge⸗ fühlen ſtrahlte.—„Oh, es iſt nicht das. Wenn mein Leben das deinige retten könnte, würde ich es gern zu dieſem Zwecke hingeben— aber nimm— o nimm in einem ſo ſchrecklichen Augenblicke nicht den Schatten für die Weſenheit. Was liegt daran, wie du den Tod fin⸗ deſt, wenn er dir die Thore des Himmels aufſchließt? Den Schmerz kannſt du gewiß nicht fürchten— ſelbſt
ich, ein ſchwaches, gebrechliches Mädchen, würde dies
verachten; welche andere Ehre kann es in der Todes⸗
ſtunde geben, als die, der Gnade und Barmherzigkeit
Gottes würdig zu ſein?— Carraccioli oder Lazzerone—
Fürſt oder Bettler— nach zwei Stunden iſt dies gleich⸗
gültig. O laßt mich Euch ehrfurchtsvoll bitten, Eure
Gedanken ſo zu demüthigen, wie jeder Sündige thun ſoll.“ 184—186. 25


