nicht in einem Lande, wo weibliche Schönheit nicht zu den Seltenheiten gehört. Sie war zum Spazierenfahren angekleidet, und ihr Anzug war gewählter, als Evchen bis dahin zu bemerken Gelegenheit fand; doch däuchte letzterer, ſie habe kaum jemals eine liebenswürdigere Geſtalt erblickt. Aehnliche Gedanken mochten in der Seele von Miß Grace vorgehen, die mit weiblicher Ge⸗ wandtheit ſogleich die ſtrengdurchgeführte Einfachheit in Evchens Aeußerm in einem Blick auffaſſend, die Nettig⸗ keit ihres Anzugs gleichwohl nicht überſah, aber weit mehr noch den Eindruck des Anmuthigen in ihrer Hal⸗ tung und im Ausdruck ihrer Züge empfand. Im Gan⸗ zen beſtand eine auffallende Aehnlichkeit zwiſchen beiden Mädchen, nur unterſchied ſich Jede durch den Ausdruck ihres eigenthümlichen Charakters und ihrer verſchiednen Sinnesart.
„Miß Effingham!“ ſagte Grace, einen Schritt vor⸗ wärts thuend, um der eintretenden Dame entgegen zu gehen, wobei ihre Stimme kaum hörbar war und ihre Glieder zitterten.
„Miß van Courtlandt!“ erwiederte Evchen mit der⸗ ſelben halbunterdrückten Stimme.
Dieſe förmliche Begegnung durchfröſtelte beide Mäd⸗ chen; unwillkührlich blieben beide ſtehen, ſich gegen ein⸗ ander höflich verneigend. Auf Evchen hatte die Kälte des amerikaniſchen Benehmens während der etwan acht Tage, die ſie in der Heimath zugebracht, ſo befremdend


