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„O ich verſtehe Euch, guter Vater. Ja Ihr werdet ſterben und die Welt verlaſſen! Und Eure Gertrud wird nicht weinen, nicht klagen.... denn ein ſchoͤnes Leben wartet Euer... der Himmel öffnet ſich, um Euch auf⸗ zunehmen..“
In dieſem Augenblick trat ein Arzt in das Zimmer. Ohne mit Jemanden zu ſprechen, ging er zu dem Prieſter, faßte ſeine Hand und betrachtete ihn aufmerkſam.
Alle Perſonen, welche zugegen waren, traten näher; ſelbſt Godmaert ließ den Seſſel, in welchem er ſaß, zu dem des Prieſters rollen.
Nach einer langen Weile banger Furcht fragte Lud⸗ wig den Arzt:
„Nicht wahr, Meiſter Wallenſius, es iſt noch Hoff⸗ nung?“
Der Arzt antwortete nicht; aber als Ludwig ſeine Frage wiederholte, ließ er die Hand des Prieſters ſinken. und ſprach:
„Noch eine halbe Stunde, höchſtens!“
Auf dieſe Worte folgte eine Todtenſtille. Godmaert, der auf der Seite des Paters ſaß, ſchlang ſeinen Arm um den Hals ſeines leidenden Freundes und verbarg das Antlitz an ſeiner Bruſt. Unter Thränen ſeufzte er:
„O Vater, Freund, ſaget mir noch einmal, daß Ihr mir vergebet; denn die Reue quält mich. Ich weiß es: ein Theil Eures unſchuldigen Blutes kommt über mich, wenn Eure Gebete ſie nicht von meinem Haupte wenden. Vergebt mir! Ich habe mit die Tempel meines Herrn geſchändet, ich habe den alten Glauben vertilgen helfen und an allen Greuelthaten, die heute geſchehen, ein ſchrecklich Theil! O vergebt mir!“
Godmaert betrachtete in dieſem Augenblick das An⸗ tlitz des Prieſters, das ihm freundlich zulächelte. Er er⸗ griff die kalte Hand des Paters und drückte einen dank⸗ baren Kuß darauf.
„O, Ihr habt mir vergeben!“ rief er freudig aus.


