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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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8 S. 130

kam ſo zum Stadthaus, wo die Monſtranz dem Bürger⸗ meiſter zur Aufbewahrung übergeben wurde.

Eine Stunde ſpäter verließ Ludwig ſeine Freunde, unter dem Vorwande, ſich nach Hauſe zu begeben; doch wollte er durch die Stadt gehen, um ſich ganz dem Schmerze zu überlaſſen, den ihm das ſchreckliche Schau⸗ ſpiel verurſacht hatte. So ſchritt er durch die Straßen, beinahe ſtumpf für Alles, was um ihn her geſchah. Ein eigenthümlich Schamgefühl hinderte ihn, ſich nach God⸗ maerts Wohnung zu begeben. Sollte er ſagen, dies Alles ſei unter ſeinen Augen geſchehen, ohne daß er hätte etwas thun können, um es zu verhindern?

Da die Bilderſtürmer durch die Unmacht der Re⸗ gierung ſich der Strafloſigkeit verſichert hielten, ſo fuhren ſie fort, Alles in Stücke zu hauen. Kein Bildchen ließen ſie über einer Thüre oder Mauer ungeſchunden ſtehen. Und wenn der friedſame Bürger ſich ihren Gewaltthätig⸗ keiten widerſetzen wollte, ſo wurde er von ihnen mißhan⸗ delt und mit Schimpf und Schande fortgetrieben. Eine große Anzahl der Reformer aber, die über die Folgen dieſer Gottloſigkeit und Zerſtörungswuth erſchrocken waren, fiel von ihnen ab.

Die Sonne war hinter den Wolken hervorgetreten. Herrlich und prachtvoll beſchien ſie die traurigen Haufen des Zerſchlagenen. Schaaren von Menſchen durchzogen mit freudigem Jauchzen die Stadt.

Glück auf! Glück auf! ſchrieen ſie, als ob eine raſende Freude ſie toll gemacht hätte. Beile, Leitern, Stricke und anderes Werkzeug wurde im Triumphe herum⸗ getragen. Wenn ſie ſo umherziehend auf dem Giebel irgend eines Gebäudes noch ein Bild, es mochte ſo hoch ſein, als es wollte, bemerkten, ſtiegen ſie unter dem Jauchzen des Pöbels hinauf, und mit donnerndem Beifall fiel es in Stüͤcken zur Erde.

Alle Läden waren geſchloſſen, alle Kirchen beraubt, die Giebel aller Häuſer und öffentlichen Gebäude geſchän⸗