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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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Scheide und wollte ſich auf ſie ſtürzen, aber Wolfangh hielt ihn zurück und ſprach mit dumpfer Stimme:

Seht mich an, Ludwig. Iſt nicht Blut in meinen Augen? Brennt in mir nicht die Wuth, wie ein wildes Feuer? Ja, nicht wahr? Und doch, ich werde dießmal meine Leidenſchaft zügeln. Mir ſoll die Ehre dieſer Hand⸗ lung werden. Ihr koͤnnt es nicht thun: Ihr ſeid zu hef⸗ tig, zu unvorſichtig; mit Gewalt iſt hier nichts zu gewin⸗ nen... laßt mich nur, bleibt hier ruhig... ohne Euch zu rühren...

Wolfangh zog ein Stilet unter ſeinem Mantel her⸗ vor, und prüfte mit der Hand, ob die Spitze noch ſcharf. Dann ging er ſchleichenden Schrittes bis in die Mitte der Schänder und nahte dem, der das Allerheiligſte trug. Aber wie ſchmerzte es ihn, als er in dieſem Spoͤtter einen der Räuber ſeiner Bande erkannte! Er blieb ſtehen, ergriff unter ſeinem Mantel das Stilet, aber ein Gedanke, der ihn plötzlich durchzuckte, ließ ihn daſſelbe wieder einſtecken. Er brachte ſeinen Mund an des Räubers Ohr, und ſprach mit unterdrückter Stimme:

Du mußt ſterben, Bernhard. Mein Stilet kennt ſchon den Platz, wo es Dich durchbohren ſoll.

Der Räuber wurde blaß, wie der Tod; er hatte die Stimme erkannt. Ein Schauer rieſelte kalt uͤber ſeinen Leib.

Hoͤre, fuhr Wolfangh fort,ich will Dir Gnade angedeihen laſſen, und Dich nicht ermorden, wenn Du mir das, was Du träͤgſt, übergibſt, ohne daß es Jemand bemerkt.

Der Räuber bückte ſich, als wenn er etwas, das zu Wolfanghs Füßen lag, ergreifen wollte. Er ſtand auf: die Monſtranz war verſchwunden.. Man konnte nur ſehen, daß Wolfang mit ſeinem linken Ellbogen den Man⸗ tel etwas in die Höhe hielt, als hätte er ſeinen Arm in die Seite geſtemmt. Er ging nicht gerade auf Ludwig

zu, ſondern wandte ſich nach dem Handſchvenmarkt, und

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