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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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„Vater lieb!“ rief Gertrud,„Du wirſt geneſen!— gewiß, Du wirſt geneſen. Wäreſt Du mit mir in unſe⸗ rer Wohnung, wie bald würdeſt Du hergeſtellt ſein. Hier erſtarrſt Du vor Kälte; Du liegſt auf hartem Boden... Dein Kind iſt nicht immer bei Dir, um Dich zu bewa⸗ chen und für Dich zu ſorgen. Armer, unglücklicher Vater!“

Und ſie drückte ihn feurig an ihr Herz.

„Steenwärter!“ rief Ludwig,„hundert Kronen gebe ich Euch, wenn Ihr den Gefangenen uns übergebt.“

„Nein, Junker!“ antwortete der Steenwärter, um nichts in der Welt.“

„Fünf Hundert!— Tauſend!“

„Nein, wahrlich, ich kann und werde es nicht thun. Sollte ich mein Leben für Gold verkaufen?“

„Mein Landgut bei Berchem ſoll Euch ſchriftlich übergeben werden.— Verlangt mehr, verlangt Alles, wenn Ihr Godmaert gehen laßt.“

„Nein, Junker; wie ſehr mir auch Eure Verſpre⸗ chungen gefielen, kann ich doch mein Leben nicht dafür in die Waagſchale legen.“

„Ach, ja, Herr Steenwärter!“ rief Gertrud, thut es, Ihr ſollt reich werden. Wollt Ihr nicht eine menſchen⸗ freundliche That vollbringen? Warum wollt Ihr meinen Vater nicht laſſen? Hat er noch nicht genug gelitten?— Ihr grollt ihm ja nicht. Ach, laßt ihn gehen— ſeht, dann kann er ruhen, Ihr lächelt— o, das iſt ſchändlich, könnt Ihr bei einem ſolchen Schauſpiel noch lachen.“

„Meine Pflicht, Fräulein, kann ich nicht vergeſſen. Ich habe Euch Euren Vater tröſten laſſen; begnügt Euch damit. Nun iſt es nah' an Mitternacht; noch einige Stunden!“

Gertrud eilte zu ihrem Vater und blieb, von Ludwig unterſtützt, ſo lange bei ihm, bis die Glocke der Borgt⸗ kirche zwölfmal ertönte. Ludwig ſprach einige Augenblicke mit dem Prieſter,

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