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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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„Vater, o lieber Vater!“ rief das verzweifelnde Maͤd⸗

chen,„o denke nicht daran. Ich werde durch Liebe und Sorge Dich wieder erwärmen, und Gott wird Dich noch viele Tage mit uns erleben laſſen. O ſterbe nicht, ſterbe nicht,— oder ich werde Dich keinen Augenblick überleben. Ich kann ja ohne Dich nicht beſtehen. O faſſe Muth!“ Ludwig war weggegangen, er konnte das traurige Schau⸗ ſpiel nicht mit anſehen. Der Prieſter lag in einer Ecke des Kerkers auf den Knieen und betete mit gefalteten Händen.

„Wo biſt Du, Ludwig?“ fragte Godmaert,„o Du biſt da!“ ſprach er, als er den Jüngling weinen ſah. „Höre, Ludwig, meine Tage ſind zu Ende, und ich werde bald bei meinem Vater ſein, denn mein Athem wird im⸗ mer kürzer und meine Glieder erſtarren.— Gertrud, ſei ruhig, mein Kind, Gottes Wille geſchehe!— Der Ster⸗ bende, der gerufen wird, kann ſeinem Schickſale nicht ent⸗ gehen. Ludwig, ſie haben mich ſchrecklich gefoltert. Mein Blut iſt an allen Theilen meines Korpers hinabgelaufen.“

„Valdes iſt todt, Vater!“ rief das Mädchen.„Und Du, Du lebſt noch, und wirſt nicht ſterben. Ich verlaſſe Dich nicht; meine Liebesküſſe ſollen Dich vor der Kälte des Todes ſchützen. Du ſterben! Du, Vater? nein; nicht wahr, Ludwig? Sprich. Mein Vater wird nicht ſterben? O welch ſchrecklich Wort!— Und Du antworteſt mir nicht. Kann mein Vater ſterben?— Sprich!“

„Nein, nein,“ ſprach Ludwig.

„Hörſt Du wohl, Vater?“ rief Gertrud. ſagt auch, daß Du nicht ſterben könnteſt.“

„Junker,“ ſagte Godmaert,„vielleicht iſt meine Furcht ungegründet.“

Gertrud ſah ihm ängſtlich in die Augen, denn dieſe Worte kamen ihr ſehr wohllautend vor. Darum lä⸗ chelte ſie.

„Vielleicht,“ fuhr der Greis fort,„komme ich noch⸗ mal heim; doch da es mir ſehr zweifelhaft ſcheint, will

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