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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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Die Thüre ging auf.— Eintretend ſahen ſie nur die Umriſſe eines menſchlichen Körpers; denn da der Ge⸗ fangene weit entfernt von dem Eingang lag, konnte die Lampe des Steenwärters ihre Strahlen nicht bis zu ihm ſenden.

Während der Prieſter und Ludwig noch bei dem Eingang ſtanden, nahm Gertrud die Lampe aus der Hand des Steenwärters, und kniete weinend bei ihrem Vater nieder.

„Mein liebes Kind,“ ſeufzte er,„Gott hat mich er⸗ höͤrt, ich ſehe Dich.“

„Vater, Vater!“ rief ſie, in bittere Thränen aus⸗ brechend,„unglücklicher Vater! was haben ſie Dir gethan, daß Du mich nicht umarmen kannſt?“

„Meine liebe Tochter!“ ſprach er mit ſchwacher Stimme, und ſuchte ſeine Arme zu erheben, doch es war ihm noch nicht möoglich und ſie fielen kraftlos auf das Stroh nieder. Die Thränen Gertruds fielen brennend auf des Greiſen Wangen. Sie ſprach nicht mehr, ihre Hände fühlten die Kälte ſeiner Glieder.

„Ludwig, Ludwig!“ rief ſie,„komm näher und ſieh! — Sie haben meinen Vater unbarmherzig gefoltert.“— Dabei zeigte ſie ihm die blutigen Tücher, mit welchen Godmaert verbunden war.

„Ah, biſt Du auch da, Ludwig!“ ſprach er,„ſiehſt Du, was ſie an meinen grauen Haaren gethan?“— und er wandte ſich mit Schmerz um.„Siehſt Du?“

Der Junker hob die Hände zum Himmel.„Herr,“ rief er,„ſie ſind mit Blut gefärbt!“

„Ludwig, richte mich etwas auf,“ ſagte Godmaert.

Das Mädchen eilte herbei, und ihre Arme vorſichtig unterbreitend, hob ſie ihren Vater empor, bis er auf das Kiſſen ſitzen konnte.

„Komm;, meine liebe Tochter,“ ſprach er,„daß ich Dir meinen Abſchiedskuß gebe, denn Gott wird mich viel⸗ leicht bald zu ſich rufen!“