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Das Wunderjahr 1566 : historischer Roman / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
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„Warum?“ fragte Ludwig.

„Ja, Junker! antwortete der Landmann,„wie glück⸗ lich ſchätz' ich mich, daß Ihr mir davon geſagt. Nun kann ich Euch, meinen Wohlthäter, vor einem ſicheren Tod bewahren.— Wißt, daß Wolfangh, ein Mann, der Schrecken und Mord mit ſich führt, dieſen Wald bewohnt, — und daß jeder, der den Wald betritt, ſein Wagniß mit dem Leben bezahlt. Vorgeſtern wurde ein Reiſender, jung und kräftig, wie Ihr, bei dem Wald gefunden.— Zwanzig Dolchſtiche hatten ſein Herz durchbohrt! Wenn Ihr mir eine Gunſt erweiſen wollt, ſo hoͤrt auf meine Worte.— Kehrt zuruͤck, oder wir müßten morgen über Eurer Leiche weinen.“

„Vater,“ antwortete Ludwig,„ich muß, welche Ge⸗ fahr auch dabei iſt, den ſchrecklichen Wolſangh ſelbſt ſehen und ſprechen. Nichts kann mich von dieſem Vorſatze ab⸗ bringen.“

„Ich beklage Euch, Junker,“ ſprach der Landmann traurig,„nichtsdeſtoweniger bin ich erfreut, Gelegenheit zu finden, Euch meine Dankbarkeit zu beweiſen und werde Euch ſelbſt gegen Euren Willen begleiten.“

„Nein, nein,“ fiel Ludwig ihm in die Rede.„Ich will es nicht. Laßt mich allein mich der Gefahr ausſe⸗ tzen; Eure Kinder verlangen Euerer Sorge:— und ich,“ ſeufzte er,„habe weder Kinder, noch Frau!“

„Nein, Herr, rief der Landmann,„ich werde Euch doch folgen.— Darin muß ich Euch ungehorſam ſein!“

Die Mutter horchte mit banger Aufmerkſamkeit auf dieſen Wortſtreit und ermunterte ihren Mann, nicht auf des Jünglings Befehl zu hören.

„Folge ihm,— ja folge ihm!“ ſprach ſie zu ihm, „befreie unſern Wohlthäter vor Gefahr, oder ich werde keinen ruhigen Augenblick mehr haben.“ Und die Thrä⸗ nen rollten ihre Wangen herab.

„Geht! rief ſie,„geht,— ich werde Gott für Euch beide bitten.“