„Auf der Geuſen Geſundheit!“ rief Godmaert.„Geu⸗ ſen heißen die Vaterlandsfreunde!“
Ludwig, bleich vor Angſt, ſtarrte verzweifelnd auf den Becher.
„Godmaert,“ rief er endlich,„wozu wollt Ihr mich bringen? Soll ich auf die Geſundheit der Feinde meiner Religion trinken? O erſpart mir dieſen Verrath!“
Auf Godmaerts Antlitz lag tiefer Schmerz. Es ver⸗ droß ihn ſehr, bei Ludwig auf Widerſtand zu treffen.
„Was ſagſt Du?“ fragte er in bitterm Tone den Jüngling,„wer ſagt Euch, daß die Geuſen Feinde der Religion ſind?“
„O, ich wollte, ſie wären es nicht,“ ſprach der Jüng⸗ ling leidenſchaftlich.„Mit Selbſtaufopferung wollte ich mich ihren Zwhecken widmen; denn ich haßte die Span'⸗ ſchen, wenn ſie nicht die Vertheidiger des Glaubens wären.“
„Er iſt ein Freund der Spanier,“ riefen die Geuſen mit Entrüſtung,„Hinaus, hinaus mit dem Verräther!“
„Ich liebe die Spanſchen nicht,“ rief Ludwig mit Kraft.„Hoͤrt Ihr wohl, meine Herren, ich liebe ſie nicht. Meine Familie hat ihnen den Untergang zu danken. Aber ich halte ſie für den einzigen Damm, der der Reform und den Anfällen gegen unſern Glauben noch Stand halten kann. Bedenkt wohl, daß, wie Ihr die Spanier verjagt, ihr Thür und Thor in die Niederlanden den Ketzern, Bilderſtürmern und dem ſchlechten Pöbel öffnet, der bereit ſteht, unſern Boden zu überſtrömen, um den Glauben unſerer Väter auszurotten.“
Das Geſicht Godmaerts veränderte plötzlich ſeinen Ausdruck— es wurde weich und ſanft. Er ſprach zu dem Jüngling:
„Ich ſehe mit Stolz, Ludwig, daß Du ſo feſt an dem Glauben Deiner Väter hängſt. Du weißt, daß ich ſelbſt das Gefühl in Dir genährt und daß ich den gottesfürch⸗ tigſten aller Prieſter Dir zum Führer erwählt; aber es
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