Druckschrift 
Simon Turchi oder Die Italiener in Antwerpen (1550) : historische Erzählung aus dem sechzehnten Jahrhundert / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

der einen ängſtlichen Kuß auf ihre Stirne drückten. Geronimo hatte ſich bis dahin bezwungen. Wohl glänzten ſeine Augen, wohl konnte man ſehen, daß Thränen darin aufſtiegen, doch er hielt ſich ſtark und weinte nicht.

Die Galeere II Salvatore war von ihrem Anker gelöst; ihre Segel ſchlugen zuerſt heftig aneinander; doch hatten ſie jetzt Wind gefaßt und ſich anmuthig gewölbt. Das Schiff trieb ſtetig mit der Fluth den Strom hinunter.

Van de Werve, Deodati und ihre glücklichen Kinder traten in das Boot, das ſie erwartete. Petronilla, die Kammerfrau, nahm Platz neben ihrer Herrin.... Noch ein letzter Gruß wurde gewechſelt, dann tauchten zu gleicher Zeit die acht Ruder in das Waſſer. Das Boot ſchoß, von den mächtigen Armen der Matroſen getrieben, vorwärts auf dem Strom, und trieb unter ſeiner ſchnellen Fahrt ſchäu⸗ mend die Wogen auf.

In dieſem Augenblick liefen Geronimo die Thrä⸗ nen über die Wangen. Er legte dem greiſen Deo⸗ dati die Arme um den Hals und rief, indem er ihm einen warmen Kuß gab, laut aus:

O, lieber Oheim, guter Vater, Italia, Italia! Und das Antlitz zum Himmel erhebend, ſprach er mit feuriger Dankbarkeit in der Stimme:

Geprieſen, geprieſen ſeiſt Du, o Gott, für alle meine Leiden! Geprieſen für Deine unendliche Güte. Du haſt ſie mir zur Gattin geſchenkt; ſie geht mit mir als Lebensgefährtin in mein theures Vaterland .... Ach, habe Dank, tauſendmal Dank für dieſe höchſte Wohlthat!