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In dem Kipdorp, nicht weit von der St. Jakobs⸗ kirche, ſtand eine ſchöne Herrenwohnung, die vor⸗ zugsweiſe von der Elite der italieniſchen Kaufleute beſucht wurde. Es war der Hof von Willem Van de Werve, Herrn van Schilde.
Obwohl dieſer Edelmann ſelbſt keine Handels⸗ geſchäfte betrieb, da die brabantiſchen Rittergeſchlech⸗ ter dergleichen als ein unedles Thun betrachteten*), zeigte er ſich doch freundlich und zuvorkommend gegen alle Fremdlinge, ſo weit deren hohe Geburt ihm eine Annäherung überhaupt geſtattete. Dabei war er ausnehmend reich, vornehm und ſtolz im Umgang und redete in drei oder vier Sprachen mit viel Kennt⸗ niß über Alles, was zu einer angenehmen und zu⸗ gleich nützlichen Unterhaltung gehörte.
Es gab aber noch einen andern Grund für die⸗ ſes Zuſtrömen der fremden Edelleute nach dem Hauſe des Herrn Van de Werve. Er hatte eine Tochter, Namens Maria, ausnehmend ſchön von Antlitz und Geſtalt, und ſo liebenswürdig und zugleich ſo ſittſam und zurückhaltend mitten unter allen denen, welche wetteifernd ihren Reizen huldigten, daß die fremden Sdelleute in der Begeiſterung ihrer ſüdlichen Natur ſie la bionda Maraviglia, das heißt die blonde Wundermaid, nannten.
oft vier, zuweilen fünf, ſechs und ſieben Sprachen zu reden, was eine angenehme und wunderbare Sache iſt. L. Guic⸗ cardini, Beſchreibung der Niederlande.
*) Aber dieſe niederländiſchen Edelleute glichen auch allen andern dieſſeits den Alpen und wollten keine Kaufmannſchaft treiben, wie unzählige Italiener, beſonders Venetianer, Flo⸗ neurmies Genueſer und Luccheſer thaten. L. Guiccardini g. a.


