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Das Leid der Zeit : eine Geschichte unserer Tage / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
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Gumbert ſchlug ein lautes Gelächter auf, klatſchte in die Hände und rief:

„Bravo, bravo, gut hergeſagt; von wunderbarer Wirkung im Ausdruck; die Bezauberung iſt fertig! Aus welchem Trauerſpiel haben Sie die ungereimten Verſe auswendig gelernt? Sie ſpielen dieſe Rolle ſehr gut, aber Ihr Zuhörer läßt ſich gleichwohl durch Ihr Talent nicht betrügen. Sie glauben gefühllos zu ſein und drücken dieſe Meinung in Worten und mit einer Bewegung aus, welche Sie kindiſch ge⸗ fühlvoll erſcheinen laſſen.“

„O, gäbe Gott, daß Sie Wahrheit ſprächen!“ ſeufzte der Jüngling beinahe unhörbar.

Der Andere milderte dann den Ton ſeiner Stimme und ſagte mit ſcheinbarem Mitleiden:

„Wahrhaftig, mein lieber Daniel, der Anblick Ihrer Schwäche läßt mich völlig an dem Menſchen verzweifeln, und Sie wiſſen, wie wenig Glauben ich ohnedieß an ſeinen Werth hatte. Wie? Sie, der vermeſſene Philoſoph, der mitleidloſe Spötter, der blinde Genußjäger und wirkliche Lebemann, Sie werden nun der Spielball von Einbildungen, welche kaum das Herz einer Frau aufregen würden? Der Untergang männlicher Stärke bei Ihnen würde mich unglücklich machen, wüßte ich nicht, Daniel, daß Sie ſich in Kurzem mit verdoppelter Kraft von dieſem Fieberanfall aufraffen werden.“

Die halb ſpöttiſchen, halb mitleidigen Worte ſei⸗ nes Genoſſen hatten den Jüngling ſchmerzlich betrof⸗ fen. Mit Schamröthe auf der Stirne antwortete er:

„Ach, ich bin krank, Gumbert; ich weiß nicht, was ich ſpreche; es iſt finſter in meinem Gehirn.

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