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Das Leid der Zeit : eine Geschichte unserer Tage / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
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durchzubringen, als ob ich ihm eine zweite Mutter wäre? Hat er ſich nicht dankbar für meine Sorgen bezeigt und mich mit aller Tiefe ſeines zärtlichen Herzens geliebt? Ja, ja, ſollte ich ſeine Braut wer⸗ den, ich könnte nicht glücklicher ſein.“

Celeſta drückte der alten Dame die Hand, wäh⸗ rend ſie leiſe murmelte:

„Gute, liebe Tante, habe Dank, habe Dank. Möge das heilige Band der Liebe und Freundſchaft uns für immer umſchlingen! Dein ſanftes Lächeln werde der Segen einer neuen Familie, wie es der Segen meiner Jugend geweſen iſt!“

Der alte Rentmeiſter ging ſeit einer Weile mit auf die Bruſt geſenktem Haupte dahin; es war deut⸗ lich, daß er wieder im tiefen Nachdenken begriffen war und nicht mehr hörte, was neben ihm geſpro⸗ chen wurde.

Frau van Berg bemerkte nun erſt ſeine ſeltſame Zerſtreuung und ſprach zu ihm mit lauter Stimme:

„Was iſt das, Herr Willibald? Was bekümmert Ihren Geiſt? Sollen wir jetzt traurig werden? Ihr habt beide eine ſonderbare Weiſe, glücklich zu ſein.“

Der Greis erhob den Kopf, ſein Angeſicht war von einem Ausdruck unſäglicher Freude erhellt, und ſeine Augen, von inniger Rührung befeuchtet, leuch⸗ teten mit verjüngtem Glanze.

„Was Sie ſo heftig?“ wiederholte Frau van Berg verwundert.

„Eine Viſion,“ antwortete Willibald,„ein ſchö⸗ ner, herrlicher Traum. Und glauben können und dürfen, daß er Wahrheit werden ſoll!“

„Was haben Sie geträumt, Herr Willibald?“