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Das Leid der Zeit : eine Geschichte unserer Tage / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
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„Aber Celeſta, Kind, wie iſt es möglich, daß Du nicht vor Freude in die Höhe ſpringſt? Zu meiner Zeit liebten die Menſchen einander feuriger, und man ſchämte ſich nicht, es die Leute ſehen zu laſſen, wenn es in Ehre und Tugend geſchah. Wie? Du verlebteſt fünf Jahre in der völligſten Einſamkeit, an Niemand denkend, als an ihn allein; Du miſchteſt ſeinen Namen in alle Deine Gebete;— und da der ſüße Traum Deines Lebens ſeiner Verwirklichung entgegengeht, da jeder Schritt Dich dem Manne näher bringt, den Gott Dir zum Bräutigam be⸗ ſtimmt hat, da läufſt Du dahin, den Kopf zu Boden geſenkt, und vermagſt zu ſchweigen!“

„Aber, liebe Tante,“ murmelte das Mädchen, „jetzt, da die Stunde ſich nähert, daß ich ihn wieder⸗ ſehen ſoll, ſtrömen zu viele Gedanken mir durch die Seele und klopft mir das Herz ſo heftig, daß ich faſt außer mir gerathe. Ach, ich bin ſehr glücklich, ich danke Gott recht innig, daß er Daniel wohlbe⸗ halten heimkehren läßt.“

„Wie glücklich wird er ſein, wenn er Dich ſieht!“ rief die alte Dame mit begeiſtertem Ton.„Armer Daniel, ich erinnere mich noch, als wäre es erſt geſtern geſchehen, wie er beinahe vor Betrübniß er⸗ ſtickte, als er Deinen Namen beim Lebewohl ausſprach. Wie herzzerreißend war dieſer bittere Abſchied! Da ſteht er noch vor meinen Augen, der verliebte Junge, mit dem Kopfe auf der Bruſt, von dem Schmerz vernichtet, ſich vor Verzweiflung krümmend und ſo bewußtlos, daß man ihn mit Gewalt von Dir los⸗ reißen mußte. Mir laufen noch die Thränen über die Wangen, wenn ich daran denke...“