von einer weit vorgeſchrittenen Abſpannung der Lebenskräfte Zeugniß gab.
Es beſtätigte ſich alſo, was Roſa mir mehr als einmal geſagt hatte! Die Beſſerung, welche wir ſeit meiner Rückkehr an ihr wahrzunehmen geglaubt hatten, war Nichts als ein trügeriſcher Schein ge⸗ weſen. Durch eine unbegreifliche Gewalt über ſich ſelbſt hatte ſie alle Stärke ihrer Seele aufgeboten, um mir den Gedanken an ihren unfehlbaren Tod vertraut und leicht zu machen; was von der letzten hinſterbenden Macht noch übrig blieb, hatte ſie ge⸗ ſammelt und concentrirt, um meine und ihrer Eltern Zuſtimmung zu ihrer Heirath zu erlangen. Nun dieſes höchſte Ziel erreicht war, unterlagen ihre Kräfte, und in einer einzigen Nacht hatte die Krank⸗ heit wieder ihre ganze Gewalt und ſchnelle Entwick⸗ lung gewonnen.
Roſa jedoch lächelte und ſprach ſich in heitern Worten aus. Niemals bewölkte ein trauriger Ge⸗ danke ihr bleiches Angeſicht, und wenn auch ihr Körper immer mehr durch Leiden abgezehrt wurde, blieb ihr Geiſt ruhig, ſorglos und von wunderbarer Klarheit.
Gewiß erſchreckte mich die Ueberzeugung, daß Roſa ſterben werde, nicht mehr, und ich konnte Tage lang voll Erhebung mit ihr von ihrem Hingang in die beſſere Heimath ſprechen; aber es geſchah doch wohl, daß der Anblick ihrer leichenähnlichen Magerkeit oder ihres ſchmerzhaften Huſtens mich unwillkürlich ſchaudern machte und ein Gefühl trau⸗ rigen Mitleids in mir erregte. Sie konnte bis auf den Grund meines Herzens ſehen. Wenn nur ein


