Druckschrift 
Das eiserne Grab / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
Entstehung
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Leo, ſprach ſie,ſeit drei Tagen und drei Nächten ſchwebt ein ſchreckliches Bedenken gleich einem Spuck mir vor Augen. Unſere Reigung zu ein⸗ ander iſt in uns entſtanden, ohne daß wir es wuß⸗ ten; wir haben ſie bekämpft, wir haben gerungen und gelitten, ohne dieſelbe überwinden zu können. So denken wir wenigſtens. Aber haben wir in die⸗ ſem Kampfe wohl alle unſere Kräfte bis zum Aeußer⸗ ſten verſucht? Und wenn es wahr wäre, daß wir, wenn auch ringend, dennoch das Gefühl der Liebe in uns gehegt und gepflegt hätten? Wir würden alſo ſchuldig ſein? Das Band, das unſere Seelen um⸗ ſchließt, wäre dann Nichts als eine ſtrafbare Schwäche, eine unrechtmäßige Verirrung? O, Leo, ich werde bald vor Gott erſcheinen!

Ich ſuchte ſie zu beruhigen und zufrieden zu ſtellen, indem ich ihr die Reinheit, die Keuſchheit unſerer Liebe vor Augen hielt. Ich drückte mit vollem Glauben die Ueberzeugung aus, daß ein ſolches Ge⸗ fühl, von aller irdiſchen Neigung geläutert, nicht ſtrafbar ſein könne; und wenn wir auch nicht mit ſtrenger Unerbittlichkeit gegen unſer Herz geſtritten hätten, würde der gute und gerechte Gott dem ar⸗ men Geſchöpfe dieſe Schwäche nicht anrechnen.

Ohne auf meine Worte Etwas zu erwiedern, nahm ſie den Faden ihrer Gedanken wieder auf und fuhr fort:

Noch etwas Anderes bekümmert mich. Du haſt mir verſprochen, Leo, alle Zeit und unaufhörlich nach meinem Tode an mich zu denken; aber wenn die materiellen Sorgen des Lebens Dich zur Anſtrengung und Arbeit zwingen? Wenn Du fern