blickte verwundert in die kleine Einfriedigung hinein. Vergebens ſuchte ich einen Stein oder eine Gedenk⸗ tafel, worauf zum Mindeſten der Name der be⸗ trauerten Todten zu leſen ſein möchte. Nichts als Blumen; aber ſo ſchöne, ſo beſondere Blumen, und ſo gefühlvoll nach Farbe und Form geordnet, daß nur eine liebende Hand dieſe höchſte Stufe von Pracht und Harmonie erreichen konnte. Für mich war es außer Zweifel, daß der Klausner— wenn wirklich ein Klausner über dem Grabe wachte— jung und noch mit dem ſchönſten Zauber des Lebens begabt ſein mußte. Aber wenn ich die ausgeſeſſene Holzbank anſah, begann ich an meiner erſten Ver⸗ muthung irre zu werden.
„Wie lang ſteht die Bank denn wohl hier?“ fragte ich den Greis.
„Vierzig Jahre,“ war ſeine Antwort.
„Und es iſt vielleicht der Klausner, der hier ſich niederlaſſend und betend ſie ſo ausgeſeſſen hat?“
„Es iſt der Klausner,“ beſtätigte mein Begleiter.
„Aber dieß geht über menſchliche Kraft!“ rief ich mit Verwunderung aus.„Vierzig Jahre an einem Grabe ſitzen! Wenn es Liebe iſt, welch un⸗ meßbares, welch unendliches Gefühl muß es ſein! Aufopferung, Selbſtverläugnung, Verſchmelzung einer Seele, die auf Erden lebt, mit einer Seele, die be⸗ reits in dem Himmel wohnt. O, es müßte Ab⸗ götterei genannt werden, wenn ſolcher Aufflug nach Oben nicht von einem mächtigen Glauben an Gottes Güte und an eine Zukunft ohne Ende Zeugniß gäbe! Leben für eine Todte und mit einer Todten!“ „Sie iſt nicht todt!“ flüſterte der Greis.
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