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Das eiserne Grab / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
Entstehung
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ich mir Kenntniß von den Beſonderheiten des ein⸗ fachen Lebens der Landleute. Sie hat mir von dem eiſernen Grabe erzählt, von den allezeit ſich erneuernden Blumen, von der weißen Jungfrau und von einem Klausner, welcher ganze Tage an dem Grabe ſitzt und betet. Seien Sie ſo gut, mir zu ſagen, was an der Erzählung der Bäurin Wahres iſt?

Die Sache iſt ganz einfach, antwortete mein Genoſſe.Der Mann, welchen man wegen ſeiner einſamen Lebensweiſe den Klausner nennt, pflegt und verziert das Grab von Jemand, der ihm theu⸗ rer war, als das Licht ſeiner Augen. Dadurch, daß er ſeit der verhängnißvollen Trennung an einem Grabe lebt und ſeine Liebe auf einem Grabe con⸗ centrirt, überwindet er den Tod ſelbſt; denn wie kann man ſagen, die Ehegattin, welche das Grab ihm zu entreißen meinte, habe ihn in Wirklichkeit verlaſſen, während er alle Augenblicke dieſelbe ſieht und hört und ſie zu hundertmalen an einem Tage in ſeinen Gedanken wiedergeboren wird?

Ich blickte den Greis verwundert an, denn ſeine Augen erglänzten auf eine ganz ſeltſame Weiſe, und ſein Angeſicht ſchien von dem Lichte der Begeiſterung verklärt.

Er bemerkte den Eindruck, welchen ſeine Worte auf mich gemacht hatten, und bezwang ſeine Erre⸗ gung. Indem er mit dem Finger auf der Straße vorwärts deutete, ſagte er in ruhigem Tone:

Dort ſteht unſer Kirchlein! Hätten wir den Feldweg eingeſchlagen, ſo könnten wir bereits von fern das eiſerne Grab ſehen.

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