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„Mutter, Schweſter, ſeid Ihr da?“
„Ha, Walter!“ riefen zwei Stimmen.
„Mein Verſuch iſt geglückt!“ erwiederte ich,„unſer Vater iſt erlöst; aber er kann nicht hieher kommen, ehe es Tag geworden. Ich gehe zurück zu ihm. Seid nur getroſt und ruhig, bis ich ihn hieher bringe.“
Einige Klänge ihrer Stimmen ſagten mir, wie ſie ſich über dieſe Nachricht freutenz meinen Befehl wieder⸗ holend, kehrte ich in die Höhle meines Vaters zurück. Während des übrigen Theils der Nacht beſprach ich mit ihm, was zu thun ſei, um ſeine Geneſung zu bewirken.
Anfangs wollte er ſeine Gedanken nicht damit be⸗ freunden, ſo fremd war ihm alle Hoffnung; endlich aber konnte er meinen Bitten nicht mehr widerſtehen und ſagte zu mir mit großer Freude:
„Walter, mein arabiſcher Lehrer gab mir, als ich ihn verließ, eine kleine ſilberne Büchſe zum Geſchenk und ſagte, in derſelben ſei ein wenig Salbe, die unfehlbar von der Peſt heile, ja ſelbſt den nahen Tod überwinde. Ein Menſch allein kann ſich derſelben bedienen, denn die Büchſe enthält nur, was für einmaligen Gebrauch hinreicht.“
„Wo iſt die koſtbare, die glückliche Büchſe?“ rief ich bebend vor Freude.
„Haſt Du nicht bemerkt,“ erwiederte mein Vater, „daß in dem Keller unſrer Wohnung viele Kreuze in die Mauer gehauen ſind, und daß eines derſelben das andere an Größe übertrifft?“
„Ja, ich fragte Dich oft, was es bedeute, aber Du haſt es mir nie geſagt.“
„Nun denn, unter dem größten Kreuz iſt die Mauer hohl; mit einigen Hammerſchlägen kann man den Stein bewegen und es öffnet ſich ein Loch, in welchem ein Klum⸗ pen Judenpech liegt. In dieſen Klumpen iſt die ſilberne Büchſe geſchloſſen.“
„Ich eile dahin,“ rief ich heftig aus,„o ich werde zurückkommen, mit dem, was Dir Heilung bringt!“
Hugo von Craenhove. 8


