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„Mein guter Walter,“ ſagte er,„ich weiß, wie es Dein liebevolles Herz foltern muß, daß Du mich nicht in Deine Arme drücken darfſt!“
„O ich trinke einen bittern Kelch!“ antwortete ich weinend.
„Aber, mein Kind,“ fuhr er fort,„Du weißt alſo nicht, daß die leiſeſte Berührung Dich anſtecken würde: — Du müßteſt ſterben, mein armer Sohn.“
„O mein Vater,“ rief ich,„laß mich Dich umar⸗ men, um Gotteswillen! Sterben ſagſt Du? Aber glaubſt Du denn, es wäre mir nicht angenehm, dieſelben Schmer⸗ zen und denſelben Tod zu leiden, wie mein Vater. Und dann iſt es nicht gewiß, daß ich angeſteckt werde.“
Die Stimme meines Vaters wurde ſchmerzlicher, als er dieſe Worte ſprach:
„Mein Kind, könnteſt Du mein Geſicht und meinen Leib ſehen, Du würdeſt ſelbſt davon fliehen. Ich bin über⸗ deckt mit offnen Wunden, die eine anſteckende Ausdünſtung haben. Vielleicht haſt Du mit Deinem Athem ſchon die ſchreckliche Peſt in Deine Bruſt geſogen. Auf meinen Knieen bitte ich Dich; bleib' ferne von mir!“
Ich ſah, wie mein Vater wirklich auf den Boden ge⸗ ſunken war, und mit ausgeſtreckten Armen mich bat, ihm zu gehorchen. Während ich zitternd und beinahe bewußt⸗ los ſtehen blieb, fuhr er ſort;
„Walter, täuſche Dich nicht mit falſcher Hoffnung. Ich bin dem Tode verfallen, denn meine Gebeine find ſchon von der Peſt ergriffen. Wozu ſoll es dienen, der Peſt ein neues Opfer zu bringen und Mutter und Schwe⸗ ſter allein auf der Welt zurückzulaſſen? Nicht die Hoff⸗ nung auf die Geneſung läßt mich das Peſthaus verlaſſen: nur meine Liebe zu Euch und der Wunſch, noch einmal aus der Ferne meine Familie zu ſehen, konnten mich dazu bewegen. Soll ich nun beſtändig von dem Gedanken ge⸗ quält werden, daß ich Anſteckung und Tod in meine Fa⸗ milie bringe,— und dieß nur um meine Augen an meinen


