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wieder all' ihre Anſteckungskraft erhalten und man hoͤrte von nichts als neuen Anfällen der Leproſen und Sterben.
In dieſer ſchrecklichen Zeit begann das gemeine Volk auszuſprengen, die Leproſen vergiften die Brun⸗ nen und Waſſerbehälter, indem ſie ihre Wundentücher da⸗ rin auswaſchen; man ſetzte ſogar noch hinzu, daß ſie dazu von den Juden beſtochen ſeien, welche Geld hergeben, nur um die Chriſten zu ermorden, um ſie alſo zu hindern, an dem Zuge nach Jeruſalem Theil zu nehmen. In Frank⸗ reich ſah man bereits Banden von vier⸗ bis fünftauſend Mann, welche unter dem Namen Paſtoureaux alle Juden und Leproſen aufſuchten und ohne Mitleid ermordeten. Von da hatte gewiß die Beſchuldigung der Juden in Lüttich ihren Urſprung von dort genommen. Ob dieſe Ausſage nun gegründet war oder nicht, kurz, das iſt gewiß, daß der Haß, welcher zwiſchen Juden und Chriſten herrſchte, heftig genug war, um das unwiſſende Volk zu abſcheulichen Verbrechen zu treiben.
Gegen Abend kam eine Nachbarsfrau, welche erzählte, daß zahlreiche Haufen die Stadt durchzögen, ohne daß man wußte, was ſie wollten; ſie fügte hinzu, in der Nähe der Stadtmauer habe man etwa zehn Juden⸗ wohnungen geplündert; ſie zeigte uns ſogar durch das Fenſter das Feuer, das man hineingeworfen, um ſie dem Boden gleich zu machen.
Wir gedachten mit Angſt des Schreckens unſerer frühern Glaubensgenoſſen, und ſtanden bereit, in unſer Schlafgemach zu gehen, als plötzlich geheimnißvoll an un⸗ ſere Thüre gepocht wurde. Nach dem erſten Schrecken ging ich hinab, um über der Hausthüre durch das Fenſter zu ſehen. In der Dunkelheit bemerkte ich einen Mann, der ſich feſt an die Thüre gedrückt hatte und dadurch bei⸗ nahe unſichtbar war. Ich begann mit ihm folgendes Zwiegeſpräch:
„Was verlangſt Du, Mann?“ „Wohnt hier der Arzt Abulfaragus?“


