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„O Mutter, ich ſehe es, es iſt mehr Ruhe in Deinem Herzen. Bleibe doch ſo!“
Sie hieß uns einen Augenblick ſtille halten, und ſprach in einem Tone, der etwas Heiliges hatte:
„Kinder, ich habe unſerem Herrn Jeſus Chriſtus auf dem Wege ein feurig Gebet zugeſandt. Ich fühlte einen Strahl der Erleichterung ſich in mein Herz ſenken und empfing neue Kraft von Ihm zu Erfüllung unſerer trüben Pflicht.— Warum gehen wir zu Eurem Vater? Etwa um ihm das Herz durch den Anblick unſeres Leidens zu zerreißen?— Nein, nicht wahr? Die Unglücklichen müſſen getröſtet werden von Denen, die weniger unglücklich ſind. Wohlan, meine Kinder, haltet die Thränen in der ſchmerzlich bewegten Bruſt zurück. Zeigen wir unſerem Vater nicht unſeren Schmerz, ſondern unſere Liebe;— und überwindet uns das Gefuhl,— weinen wir auch Thränen, ſo leuchte doch ein ſüßes Lächeln hindurch, das unſern unglücklichen Vater tröſte.“.
Dieſe Worte machten eine wunderbare Wirkung auf unſer Gemüth; wir gewannen Kraft zur Vollbringung einer Pflicht, die uns wie eine heilige Sendung erſchien.— So einander ermuthigend, nahten wir dem Peſthauſe; in einer beſtimmten Entfernung ſahen wir die Tobtſchläger ihre Bogen ſpannen und hörten ihre drohende Stimme uns zu⸗ rufen:
„Vor den Querbaum! Vor den Querbaum, bei Todes⸗ ſtrafe!“
Obwohl wir uns ſehr geſtärkt fühlten, zitterten wir voch, als wir dem Querbaume uns nöherten, wir hatten aber Seit, uns wieder etwas zu erholen, denn wir ſahen Niemand hinter dem eiſernen Gitter. Es kam einer der Todtſchläger zu uns, um zu fragen, wen wir zu ſprechen wünſchten und auf unſere Antwort rief er mit kräſtiger Stimme:
„Abulfaragus! Abulfaragus!“


