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Geschichte des Grafen Hugo von Craenhove und seines Freundes Abulfaragus / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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ſter; unſere Thränen begannen wie Brunnen zu fließen. Kein Seufzer, kein Athemzug ſtörte die Stille der Nacht, die uns umgab; es war wie in einer unterirdiſchen Höhle ohne Eingang. Klagen können die Dolmetſcher eines ge⸗ wöhnlichen Schmerzes ſein; aber unſre Trauer verſchmähte die menſchliche Sprache, als zu ſchwach für eine nie gefühlte Seelenfolter.

Nutzlos wäre es, unſeren Zuſtand während dieſer Nacht

zu beſchreiben, da er ſich nicht veränderte. Die aufgehende Sonne traf mich bei der Verfertigung eines ſchrecklichen Werkzeuges: ich arbeitete an einem Speiſenſtock, womit ich neinem Vater das Eſſen zuſchieben wollte! Es war ein

eiſernes Gefäß, auf der Spitze eines langen und dünnen Stabes. Sobald ich denſelben fertig hatte, nahm ich ein gutes Stück gebratenes Fleiſch, eine Flaſche des beſten Zyperweins, Brod und Salz und einige Leintücher. Mit dem Allem beladen, wollte ich Abſchied nehmen von meiner Schweſter und Mutter; doch wie ſehr ich auch bat, ſie wollten mitgehen, um meinen Vater zu ſehen. Wohl ein⸗ ſehend, daß dieſer Anblick ihre Schmerzen nur erneuen und, wenn es möglich, noch vermehren würde, wandte ich Alles an, was meine Einbildung ausfindig machen konnte, um ſie zurückzuhalten; nichts half, ſie mußten mir folgen.

Da ſchritten wir geſenkten Hauptes durch die Straßen, gleich Menſchen, die eine Leiche zur letzten Ruheſtätte be⸗ gleiten; unſere Trauer und mein ſchrecklich Werkzeug er⸗ weckte die Aufmerkſamkeit der Vorübergehenden nicht mehr, als um ſie vor uns fliehen zu machen. Ein ſolches Schau⸗ ſpiel war nicht neu und ließ die Zuſchauer nur daraus entnehmen, daß wir zu einer Familie gehörten, in welcher die Anſteckung ein Opfer gefunden. Vor das Stadtthor gekommen, wandte ich mich nach meiner Mutter um; ich ward ſehr erſtaunt, als mir aus Ihrem Geſicht ein Strahl von Freude und Troſt entgegenleuchtete.

Sie aufmunternd, ſagte ich mit einer Art von Freude;

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