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Geschichte des Grafen Hugo von Craenhove und seines Freundes Abulfaragus / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von E. Zoller
Entstehung
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Schweſter in derſelben Haltung. Beide ſtarrten mich be⸗ wegungslos an, als ob ich ein Fremder für ſie wäre. Welche Verzweiflung hatte die beiden Frauen zu Steinbil⸗ dern gemacht?

Ihre rothgeweinten Augen hatten ſolche Kraft über mich, daß ich eine Zeitlang mit derſelben Gefühlloſigkeit ſtehen blieb; bald aber warf ich mich knieend vor meiner Mutter nieder, umſchlang ihren Hals und begann ſie heftig zu küſſen;— ich hatte jede andere Sprache vergeſſen! Ich erhielt keine Antwort von meiner Mutter und meine Schweſter blieb gleich gefühllos, bis ich mit ſchneidender Stimme rief:

„Mein Herz bricht! Mutter, Schweſter laßt mich Eure Stimme hören, denn ich fühle den Tod in mir!“

„O Walter!“ ſeufzte meine Mutter leiſe.

„Guter Bruder!“ lispelte meine Schweſter.

Wie wenn dieß Zeichen von Leben mir einige Kraft gegeben, fühlte ich die Raſerei der Verzweiflung in meinem Herzen erkalten und ich erinnerte mich meiner Sendung:

„Welch' neues Unglück hat Euch während meiner Abweſenheit betroffen?“ fragte ich.„Seid doch nicht ſo ängſtlich und ſo tödtlich betrübt. Ich habe unſern Vater geſehen; er wird uns wahrſcheinlich bald wiederge⸗ geben ſein.

„Du haſt ihn geſehen?“ rief meine Mutter heftig.

„Ich habe ihn geſehen, ſei davon verſichert,“ antwortete ich bebend.

„Dann hat Dein Engel Dich beſchützt, Walter, daß Du nicht mit Wahnſinn geſchlagen wurdeſt!“

Bei dieſen unverſtändlichen Worten brach meine Schwe⸗ ſter in Thränen aus. Sie weinte:

„O Bruder, lüge nicht, lüge nicht! Der Vater ſitzt in dem Peſthauſe, wir wiſſen es! Der Jude Borech hat ihn auch geſehen.“

Ich warf mich aufs Neue auf meine Kniee zu meiner

Mutter nieder und umſchloß mit ihr zugleich meine Schwe⸗ 7

Hugo von Crgenhove.