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zu begreifen! Menſchen, die neben der kalten Leiche ihres Schickſalsgenoſſen ſchliefen, ohne es für nöthig zu erach⸗ ten, ſich von dem drohenden Tode zu entfernen!
In ſolch' peinliche Gedanken lag ich verſunken, als plötzlich mein Name mir an's Ohr klang; ein Freuden⸗ ſchrei entflog meinem Munde, denn ich hatte die Stimme meines Vaters gehört. Ich ſtand auf und blickte um mich. Aber, o Himmel, was ſah ich! Ein Donner⸗ ſchlag rührte mich; ich lachte wie einer, der ſpottet, und fiel ohne Gefühl zur Erde.
Kann ich ſagen, was ich in dieſem Augenblicke litt! So ſchrecklich war dieſer Anblick für mich, daß der höchſte Ausdruck unermeßlicher Pein, daß ein Lachen meine Klage geweſen war.— Ich hatte meinen Vater hinter dem Eiſengitter geſehen! Er, von dem ich das Le⸗ ben empfing, lag begraben— auf ewig begraben in die⸗ ſer alles verſchlingenden Peſthoͤhle!— O Gott, Du warſt mit mir in dieſem Augenblicke! Wie hätte ich ſonſt noch leben können nach dieſem fürchterlichen Schlage?
Sobald ich zu mir ſelbſt gekommen war, ſprang ich jammernd auf, um zu dem eiſernen Gitter zu fliegen; aber fünf bis ſechs Todtſchläger hielten mich unter An⸗ drohung des Todes zurück; noch einmal warf ich mein verwildert Auge auf das ehrwürdige Haupt meines Va⸗ ters und lehnte mich an den Querbaum, den man da aufgeſtellt hatte. Näher mochte ich nicht treten; vier Todtſchläger ſtanden mit geſpannter Armbruſt bereit, ihre Pfeile mir durch den Leib zu jagen, wenn ich Hand oder Fuß inner den Querbaum ſtreckte.
Nachdem ich meinem Herzen durch Thränen Luft ge⸗ macht, erhob ich das Haupt und blieb mit gefalteten Händen, wie verſteinert ſtehen, ohne mit meinem Vater ein Wort zu wechſeln. Seine geliebte Stimme klang mir verſtändlich in mein Ohr; er ſagte mit himmliſcher Ge⸗
duld: „Walter, habe Muth, mein Sohn! Der Herr hat


