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ſich mit denſelben Kräutern beſtrich. Deßhalb ſetzte er auch ſeine täglichen Beſuche fort. Eines Abends war ſchon lange die gewohnte Stunde ſeiner Zurückkunft vor⸗ über. Meine Mutter wartete mit pochendem Herzen und zitternd vor Angſt, es möchte ihm etwas Schlimmes be⸗ gegnet ſein. Aber trotz aller ihrer Furcht ſchwieg ſie, um uns nicht auch zu ängſtigen.
Ich war damit beſchäftigt, meine Schweſter Maria in einem Buche leſen zu lehren und dieß hinderte uns, zu ſehen, wie blaß das Antlitz unſerer Mutter war und mit welcher Angſt ſie auf das leiſeſte Geräuſch der Straße, als einen Vorboten der Ankunft meines Vaters, horchte. Es verlief aber ſo viel Zeit, daß Maria das Buch zu⸗ ſchlug und verwundert umherſehend fragte:
„Aber Mutter, wo iſt unſer Vater?“
Unſere Mutter antwortete nicht, aber von ihren Wangen floßen ſtille Thränen, ſie betrachtete meine Schweſter mit trübem Blick und zog ſie, ohne zu ſpre⸗ chen, an ihre Bruſt. Ich meinerſeits dachte, mein Vater wache vielleicht an dem Todtenlager eines vornehmen Mannes und begriff die Furcht meiner Mutter nicht, ob⸗ ſchon ihre Thränen auch die meinen fließen machten. All' meine Worte vermochten nichts über ihr Gemüth; ein geheimes Vorgefühl ließ ſie ein ſchrecklich Unglück ahnen und ſie weinte mit meiner Schweſter bis zum Morgen. Aber wie wurde ich ſelbſt von der Angſt gefoltert, als die Sonne am Himmel außfſtieg, ohne daß wir unſern Vater wieder geſehen hatten!
Das Weinen meiner Mutter und Schweſter erfüllte unſere Wohnung; ſie rauften ſich die Haare aus und zer⸗ rißen ihre Kleider„und ich, der muthvoll zu ſein glaubte, ich ſtand rathlos weinend bei ihnen; kein tröſtend Wort fiel von meinen Lippen. Endlich erwachte ich aus meiner Bewußtloſigkeit und ſagte meiner Mutter, ich wolle ausgehen, um meinen Vater zu ſuchen oder etwas von ihm zu hören. Sie küßte mich mit unbegreiflicher


