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Wohlthäters. Herr von Reedale kann ſie Dir vorleſen. Das erſte Hauptſtück erzählte ich Euch geſtern und ich hoffe, daß ſie Euch nicht zu viele Thränen entlocken ſoll. Laßt Euch inzwiſchen an meiner Geſundheit nichts gelegen ſein, ich bin nicht krank und brauche nur etwas Ruhe, um ganz hergeſtellt zu ſein.“
Bernhard und Aleidis gingen mit der Handſchrift in den Saal und der Burggraf von Reevale begann folgender⸗ maßen zu leſen;
Während des harten Froſtes blieb die ſchreckliche Krank⸗ heit der Leproſie gleichſam ſtehen, ohne einen merklichen
Schritt zu thun und man begann bereits von den ſtrengen
Maßregeln abzulaſſen; aber kaum hatte es in der Nacht gethaut, als die Plage ſich wieder wie ein Alles verſchlin⸗ gendes Feuer verbreitete. In wenigen Tagen zählte man ſchon einige Hundert von der Leproſie Ergriffene; man begann wieder vor einander zu fliehen, es wurden mehr Todtſchläger angeſtellt und wer auf den Wink dieſer ge⸗ richtlichen Moͤrder nicht nach dem Peſthauſe ging, dem ſchlug man den Kopf mit einem Beile ein oder man durch⸗
ſtach ihn mit einer langen Lanze. Die Bürger ſelbſt waren
zu Todſchlägern geworden; wo ſie einen Leproſen fanden, glaubten ſie ein verdienſtliches Werk zu thun, wenn ſie ihn wie einen raſenden Hund verfolgten und tödteten.
Mein Vater verſagte Niemanden ſeine Hülfe und war ganze Tage außerhalb ſeiner Wohnung, um die Kranken zu tröſten und glücklichenfalls hie und da einen zu heilen. Wie ſehr er auch ſeine Familie liebte, unſere Thränen konnten ihn nicht abhalten, in die Häuſer der Angeſteckten zu gehen; er hielt es für eine heilige Pflicht, ſeinen Be⸗ ruf als Arzt ganz zu erfüllen und aller Gefahr zu trotzen, um ſeinem leidenden Mitmenſchen zu helfen. Ueberdieß glaubte er nicht angeſteckt werden zu können, ſo lang er
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